Ich Bin Ein Star — Holt Mich Hier Raus!: Dschungelcamp 2018: Zwischen Psychoterror und Heiratsantrag - Alles nur nicht live

Ich Bin Ein Star — Holt Mich Hier Raus! : Dschungelcamp 2018: Zwischen Psychoterror und Heiratsantrag - Alles nur nicht live

Düsseldorf. „Gucken Sie mal, was man mit dem richtigen Schnitt und ein bisschen Musik draus machen kann“ — so lautete das Motto von Tag 11 im Dschungelcamp. Es war sozusagen eine Sendung über die Sendung, also eine Meta-Sendung.

So versteht der Zuschauer endlich, dass da wirklich gar nichts live ist. Echt nicht.

Es wird geschnitten, mit Musik hinterlegt und mit Filtern gearbeitet, was das Zeug hält. Tina York bettelt sogar in die Kamera, dass man doch rausschneiden möge, dass Ansgar Brinkmann den verbotenen Satz „Ich bin ein Star — holt mich hier raus“ über die Lippen gebracht hat. Wer den Machern da noch das kleine „live“-Symbol neben dem RTL-Logo abnimmt, ist selbst schuld.

Doch während im Camp alle mit viel Pathos und zu dramatischer Musik jammern, dass Ansgar bleiben solle, weil es nur „wenige Menschen gibt, die so direkt und anständig sind“ (O-Ton Tina), sehnt der sich nach seinem Mentorengespräch mit Rainer „Calli“ Calmund. Na, wenn ihn aufmuntert, dass dieser ihn einen „sturen Bummskopp“ nennt. Dafür kann Ansgar jetzt unbeschwert mit seinem Longboard durch die australischen Kleinstadtstraßen cruisen.

Doch zurück ins Camp. Da wird den Zuschauern erklärt, wie es läuft. „Nehmen die (RTL, Anm. d. Red.) uns die Kippen weg, dann geh ich auf die Barrikaden“, zetert Daniele. Oder David: „Du kannst machen, was du willst, die schneiden es eh, wie es ihnen passt.“ Aber mal ehrlich: Ohne die schlechten Schnitte wäre es ja auch langweilig.

Als RTL dem armen nikotinsüchtigen Daniele dann tatsächlich die Zigaretten wegnimmt, rechnet er eiskalt ab: „Ihr macht Psychoterror und geht mir auf den Sack — ihr alle: Kameramann, Interviewer, das gesamte Produktionsteam.“ Ja, allerdings dürfen die nachts im Hotel schlafen und müssen ihre Tanktops nicht im Regen trocknen.

Ach ja: Der Dschungel wäre nicht der Dschungel ohne Dschungelprüfung. Einstimmig für die nächste Prüfung gewählt: Daniele. Für die Damen darf Kattia ran. Daniele muss blind hintereinander sechs Ladungen Krabbeltiere wie Kakerlaken, Ameisen oder Spinnen in die richtigen Trichter kippen. Allerdings liegt Kattia darunter und kriegt alles ab. Doch anstatt sich zu beeilen und sie zu bemitleiden, wie sie sich da inmitten des Viechzeugs windet, schimpft Daniele nur vor sich hin, dass sie „langsamer machen sollten, sonst bringt es ja nichts“. Sadist.

Jenny versucht unterdessen, sich aus dem Schatten ihrer großen Schwester Daniela Katzenberger zu befreien. „Ich will endlich nicht mehr nur die ‚Schwester von' sein, sondern ‚Tschenny‘“. Ob sie das wohl mit einer Teilnahme am Dschungelcamp schafft?

Doch sie wird jäh unterbrochen, denn der australische Regenwald macht seinem Namen alle Ehre. Es gießt wie aus Eimern. Und als wären alle nicht schon nass genug, trudeln auch noch Briefe von zu Hause ein (na, merkt ihr wie live das ist?). Alle verbliebenen acht Kandidaten heulen bei jedem einzelnen bunten Wisch wie Schlosshunde.

Und weil die ganze Staffel bislang auch für den Geschmack von RTL viel zu langweilig war, hauen sie jetzt einen Knaller raus: einen Heiratsantrag für Matthias. Sein Freund Hubert („Schatz“) macht ihm einen Antrag in Form eines pinken Briefs mit ganz vielen Herzchen. Na, wenn das mal nicht romantisch ist. Moderator Daniel Hartwich kommentiert die Szene nur mit den Worten: „Ganz schnell unter die Haube — oder unter den Hubert.“ Ha ha ha. Schenkelklopfer.

Gehen muss dann die, die in diesem Artikel kein einziges Mal erwähnt wurde: richtig, Tatjana. Wegen völliger Bedeutungslosigkeit. Aber auch das bestimmt ja letztlich RTL — die können ja schließlich alle Szenen mit ihr rauschneiden oder die Telefone manipulieren oder die falsche Musik auswählen.

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