Leben im Denkmal: Villa Seyd: Bald erstrahlt die Terrasse in neuem Glanz

Leben im Denkmal : Villa Seyd: Bald erstrahlt die Terrasse in neuem Glanz

Glaskünstler Udo Unterieser restauriert derzeit die Fenster. Der Eigentümer will bald auch neue Fliesen verlegen.

Uellendahl. Sie ist eine der größten Villen im Bergischen Land. Ein Sparhans war Hermann Seyd wahrlich nicht, als er Ende des 19. Jahrhunderts seinen Prachtbau errichten ließ. Am heutigen Adalbert-Stifter-Weg gelegen war die Villa Seyd früher weithin sichtbar. Mittlerweile ist sie ein wenig eingekesselt zwischen im Vergleich eher schmucklosen Häusern, aber immer noch ein echter Hingucker. Und wer einmal einen Blick hinweinwerfen darf, ist erst einmal „baff“ ob der Pracht. Bald gibt es noch einen Augenschmaus mehr: Die Terrasse, seit Jahren meist ungenutzt, wird restauriert. Derzeit ist Glaskünstler Udo Unterieser aus Sprockhövel im Auftrag des Eigentümers dabei, die Glaswände zu restaurieren.

Für Unterieser eine Rückkehr an die alte Wirkungsstätte. Bereits in den 1980er Jahren war er das erste Mal in der Villa mit ihrer bewegten Geschichte (siehe Kasten) tätig. Damals stand der Bau vor dem Abriss, die Unterschutzstellung als Denkmal verhinderte Schlimmeres. Unterieser, der unter anderem auch in der Historischen Stadthalle gearbeitet hatte, erhielt damals von der Stadt den Auftrag, sich auch einmal die Villa anzuschauen.

„Von den Fenstern auf der Terrasse waren teilweise nur noch Fragmente übrig“, erinnert sich der heute 70-Jährige. Diese stellte er in seiner Werkstatt unter — und hatte in den 1990er Jahren unter dem neuen Eigentümer, dem Wuppertaler Architekten Rudolf Hoppe, erst einmal andere Aufgaben in der Villa. Unter anderem gestaltete er die beeindruckende Lichtdecke im Eingangsbereich neu.

2003 wechselte die Villa erneut den Besitzer. Der neue, ein Wuppertaler Geschäftsmann, ließ einiges im Denkmal renovieren — und erinnerte sich auch wieder an die mit Blumen und Ranken verzierten Terrassenfenster. Mittlerweile sind die zum Großteil restauriert und warten auf das Einsetzen. „Eigentlich der leichteste Teil der Arbeit“, sagt Unterieser und lacht.

Schwieriger sei es gewesen, die Fragmente zu komplettieren und erst recht, die komplett zerstörten oder verschollenen Glasfenster nach den Originalen neu zu bauen. „Fotos vom ursprünglichen Zustand gab es ja nicht“, erklärt Unterieser. Und heutzutage sei es schon schwer genug, überhaupt an passende Scheiben zu kommen. „Es gibt ja kaum noch Glashütten.“ Das sei zur Zeit seines Vorgängers, der vor mehr als 100 Jahren die Originale schuf, sicher anders gewesen. Die Glaskunst in der Villa, ist er sicher, das Werk eines Einzelnen gewesen. „Man erkennt die Handschrift.“ Überhaupt sei der Bau von seiner Opulenz etwas Besonderes.

Für Unterieser ist die Villa nicht nur ein Job. „Es macht einfach Spaß. Und es ist schön, so eine Geschichte dann fertig zu haben.“

Wobei die Restauration der Fenster nur der Anfang ist, wie der Eigentümer gegenüber der WZ erklärt. Als nächstes soll die Terrasse neue Fliesen erhalten. „Die werden auf alte Art hergestellt“, erklärt der Wuppertaler. In Verbindung mit dem prunkvollen Saal ein echtes Highlight für den Bau — auch wenn die Aussicht durch die Neubauten um das Gebäude herum etwas gelitten hat. Fertig ist die Villa dann aber immer noch nicht. „Eigentlich gibt es immer was zu tun“, sagt der Eigentümer.

Mehr von Westdeutsche Zeitung