Medizin 2025: Tablet PC, OP-Roboter und Telemedizin

Medizin 2025: Tablet PC, OP-Roboter und Telemedizin

Experten vom Helios-Klinikum werfen ein Blick in das Gesundheitswesen der Zukunft.

Wuppertal. Wir schreiben das Jahr 2025: In einem Hybrid-OP arbeiten Kardiologen und Herzchirurgen parallel. Die Operateure werden dabei durch Robotor unterstützt. Krankenakten auf Papier sind Geschichte. Die Patientendaten werden auf einem Server hinterlegt. Bei der Visite sind die Ärzte mit Tablet PCs ausgestattet.

Auf den Hybrid-OP muss Wuppertal gar nicht mehr so lange warten. Im Herzzentrum am Arrenberg wird ein solcher gebaut. Das Besondere: Unter einem Dach können zwei Fachrichtungen parallel operieren. In diesem Fall werden Kardiologen mit Kathetertechnik und Herzchirurgen mit den entsprechenden chirurgischen Verfahren gleichzeitig einen Patienten versorgen.

Auch das papierlose Krankenhaus ist ein Zukunftsthema: Untersuchungsdaten werden nicht länger ausgedruckt, sondern online hinterlegt und direkt mit anderen Daten verknüpft. Die Patientendaten wie etwa Vitalfunktionen, Blutgasanalysedaten oder Röntgenergebnisse sind jederzeit verfügbar. „Der komplette Patient kann mit seiner Vorgeschichte an einem Terminal abgefragt werden. Das wird auch zu Prozessbeschleunigungen führen“, so Philipp Hovorak, Abteilungsleiter Medizintechnik Wuppertal und Regionalleiter Medizintechnik. Bisher sei die Verknüpfung verschiedener Daten teilweise ein Problem, da „ nicht alle Geräte die gleiche Sprache sprechen“. Mobilgeräte (Tablet PCs) und Apps werden auch in der Medizin immer wichtiger. Hier wird es möglich sein, sich Patientendaten wie Röntgenbilder auch an Orten anzusehen, wo dies noch nicht möglich ist, etwa am Bett einer Intensivstation.

In Zukunft wird es auf den jeweiligen Stationen immer mehr kleine Labore geben, in denen Blutgaswerte direkt am Patienten untersucht werden können. Auch wird die effizienter werdende Ultraschalltechnik in Kombination mit anderen Diagnosearten die Untersuchung in Großgeräten, zu denen Patienten transportiert werden müssen, verringern. „Ziel ist es, den Patienten so wenig wie möglich durch das Krankenhaus zu fahren“, so Hovorak.

Sind die modernen Techniken und Geräte für jedermann und bleiben sie bezahlbar? „Aus meiner Sicht werden die hochspezialisierten Techniken wahrscheinlich eher in bestimmten Zentren und nicht für die breiten Massen zur Verfügung stehen“, sagt Hovorak.

Parallel zu verbesserten Techniken erkennt Professor Petra Thürmann, Mitglied im „Rat der Weisen“, der die Bundesregierung berät, einen anderen Trend: Da es im Jahr 2025 definitiv mehr Patienten geben werde, müsse aus Kosten- und Ressourcengründen vor einem stationären Aufenthalt genauer ausgewählt werden, welcher Aufenthalt nötig sei und welcher nicht.

Gerade für medizinisch schlechter versorgte Gebiete braucht es neue Versorgungssysteme: „Ich kann mir vorstellen, dass wir auch auf Telemedizin setzen. Ein Patient hat zu Hause ein EKG-Gerät und die Daten werden täglich zu einem Arzt weitergeleitet und der entscheidet dann über die Dosierung der Medikamente.“

Vor dem Hintergrund des wachsenden Ärztemangels erklärt sie: „Hochspezialisierte Fachkräfte können in Zukunft nicht alles machen. Speziell geschulte Pflegekräfte und Apotheker müssen mehr in die Patientenversorgung eingebunden werden, ausgebildete Pflegekräfte können auch Hausbesuche machen und über Telefon und Internet mit Arzt und Apotheker kommunizieren.“

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