Leben im Denkmal (16): Von der Ruine zum Schmuckstück

Leben im Denkmal (16): Von der Ruine zum Schmuckstück

Das Fachwerkhaus gilt als eines der ältesten in ganz Barmen.

Heckinghausen. Peter Lütterkus muss ein reicher Mann gewesen sein. Wie hätte er sich sonst vor 400 Jahren ein vierstöckiges Haus leisten können? Und während viele vergleichbare Bauten längst Geschichte sind, hat das Hofeshaus Lütterkus Heidt die Zeiten überdauert. Und doch war es knapp. „Als wir es kauften, war es eigentlich nur noch ein Gerüst“, erinnert sich Gisela Volmer. Die Holzbalken standen noch — viel mehr aber nicht. Ihr Mann Horst und sein Freund Albert Schleberger, dem der vordere Teil des Hauses gehört, steckten vor gut 30 Jahren viel Arbeit und vor allem auch Geld in die Fast-Ruine, um es in ein Schmuckstück zu verwandeln.

Trotz der Größe — rund 500 Quadratmeter Wohnfläche — wirkt das Haus doch immer noch gemütlich. Gleich am Eingang empfängt der Besucher ein großer Kamin. „Um den wurden wir immer beneidet“, erzählt Gisela Volmer. Im ersten Stock steht ein großer Klostertisch, der schon mehr einer Tafel gleicht. So muss es einst in mittelalterlichen Gaststuben ausgesehen haben. Weiter nach oben führen Treppen in die verschiedenen, manchmal verwinkelten Zimmer, in denen bis vor ein paar Jahren die Volmers wohnten, ehe sie das Haus vermieteten.

Man habe an die vielen Treppen gedacht, sagt Gisela Volmer. Im Alter sicher ein nicht ganz einfaches Wohnen. „Mein Mann wollte aber erst nicht umziehen und unbedingt noch Weihnachten hier verbringen.“ Schweren Herzens sei man dann doch in einen Neubau gezogen. „Schon eine Umstellung“, räumt Gisela Volmer ein.

Beliebt war Lütterkus Heidt auch als Station bei Touren des Denkmalamtes. Einmal sei eine Gruppe ausgerechnet am Geburtstag ihres Mannes gekommen. „Wir hatten dazu Essen im Garten aufgebaut — und die Gruppe dachte, das wäre für die Teilnehmer der Tour.“

Mit dem Denkmalamt sei die Zusammenarbeit aber immer gut gewesen. Einiges am Bau musste neuen Bestimmungen angepasst werden. So fallen im zweiten und dritten Stock große Fenster auf, die auf den ersten Blick nicht ganz ins Bild passen wollen. „Das sind die Fluchtwege — anders würde man hier ja nicht mehr rauskommen“, erklärt Volmer. Beim Einzug seien die Fenster aber ganz praktisch gewesen, um die großen Möbel ins Haus zu bekommen. Eins habe man übrigens nicht im Haus gefunden, so Volmer. „Wir hatten schon ein paar Schätze erwartet“, sagt sie mit einem Lachen.

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