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Leben im Denkmal (14): Vom alten Stellwerk zum Atelier

Leben im Denkmal (14): Vom alten Stellwerk zum Atelier

Klaus Harms und seine Frau Tanja Kreiskott haben vor zwei Jahren das alte Stellwerk des Bahnhofs Loh erworben und saniert. In Kürze eröffnen sie ihr Atelier.

Loh. Es steht in der Buchenstraße auf dem Rott. Rötlich leuchtet es aus der Straßenseite hervor. Eine kleine Treppe führt hoch zum Eingang und lässt auf die Nordbahntrasse blicken. Seit fast zwei Jahren strahlt das Stellwerk des alten Bahnhofs Loh wieder. Klaus Harms und seine Frau Tanja Kreiskott haben das Gebäude aus seinem Dornröschenschlaf geweckt und hauchten den Räume Leben ein.

Beim Öffnen der Tür wirkt das Wohnhaus wie eine Puppenstube mit Liebe zum Detail. Ein großer weißer Esstisch lädt in der Wohnküche zu Gesprächen ein. Große, langgezogene Fenster im Wohnbereich öffnen den Vorhang zur Bühne: Nordbahntrasse.

„Vor zwei Jahren haben wir das alte Stellwerk gesehen und wussten: Das ist es“, sagt Klaus Harms, der Lehrer am Berufskolleg Barmen Europaschule ist. Sie wollten etwas Originelles, etwas das nicht jeder hat. „Vor zwei Jahren bin ich in den Sommerferien die Talachse mit dem Fahrrad abgefahren. In jeden Hinterhof habe ich geguckt, um ein Loft oder eine alte Fabrikhalle zu finden. Aber nichts“, erzählt er. „Als ich dann traurig zurück über den Rott nach Hause gefahren bin, fiel es mir ins Auge.“ Direkt habe er seine Frau abgeholt und ihr das versteckte Schmuckstück gezeigt. „Sie war genauso begeistert wie ich.“

Das Dach war undicht, es tropfte von der Decke, kaum ein Fenster ließ Licht in das Stellwerk einfallen. „Aber mich machte das Haus an“, sagt Harms lachend. Viele waren von dem Stellwerk angetan. Das Nutzungskonzept des Paares begeisterte die Deutsche Bahn — der Anbieter des Stellwerks. „Wir wollen Werken und Wohnen miteinander vereinen.“ Im Keller haben die beiden ihr Atelier eingerichtet.

Harms baut Musikinstrumente wie Gitarren und Bässe, seine Frau designt und schneidert eigene Kleidung. „Wir werden Schneider-Kurse und Lesungen oder Musikabende anbieten“, sagt Harms. Um ihren Lebenstraum zu verwirklichen, hat das Paar wochenlange Arbeit in die Gemäuer gesteckt. „Wir haben alles selbst gemacht. Wir haben die Fenster selbst gestemmt, die Rohre verlegt, die Treppe eingebaut, die Küche gebaut“, sagt Harms.

Im Gebäude war lediglich ein Rohr verlegt und eine kleine Toilette eingebaut. Ihre gesamte Freizeit hat das Paar im Stellwerk verbracht. Nach der beruflichen Arbeit wurde bis spät in die Nacht renoviert und saniert. Am Wochenende, in den Ferien und sogar Silvester. „Wir haben uns dann Essen mit auf unsere Baustelle genommen und zwischen den Speisekübeln Tango getanzt“, erinnert sich Harms. „Vom Dach aus konnten wir das Feuerwerk über Wuppertal sehen. Ein unvergesslicher Moment.“

Im Frühjahr 2012 ist er provisorisch auf die Baustelle gezogen, um das neu sanierte Gebäude vor Vandalismus zu schützen. „Ich habe hier ohne Küche gehaust. Man muss schon verrückt sein“, sagt er.

Während der Sanierungsphase mussten sie hohe Auflagen des Denkmalschutzes beachten. Nur alte Materialien wie Zement und Kalk durften verwendet werden. „Wir waren fast noch strenger als der Denkmalschutz. Wir wollen, dass das Stellwerk seinen alten Charakter behält.“ Das Paar hat nur Holzdielen, die schon „gearbeitet“ haben, verwendet. Sie wurden zum Beispiel aus dem alten Bahnhof Steinbeck verlegt. „Ein Freund sagte einmal: ,Das Haus mag euch’, und das stimmt auch“, sagt der Lehrer, „Wir haben enorm in die Statik eingegriffen, und es ist nichts passiert, es ist unser Haus.“ Nach zwei Jahren täglicher Knochenarbeit können Klaus Harms und Tanja Kreiskott in Kürze ihren Traum eröffnen. Ihr Atelier wird dann zum ersten Mal für die Öffentlichkeit betretbar sein.