Offen gesagt: Klamauk statt OB-Wahlkampf

Offen gesagt: Klamauk statt OB-Wahlkampf

Offen gesagt

Wuppertal. Möglicherweise werden kaum mehr als 40 Prozent der berechtigten Wuppertaler am 13. September an der Wahl des Oberbürgermeisters teilnehmen. Das ist ein üblicher Wert für solche Veranstaltungen. Sollte es zwei Wochen später zur Stichwahl kommen, wird er vermutlich noch sinken. Das ist bedauerlich, weil es ein Missverständnis ausdrückt. Auch in Wuppertal glauben viele Bürger, Stadtrat und Oberbürgermeister gingen sie nichts an.

Das ist falsch, weil im Rathaus wichtige Entscheidungen für den Alltag eines jeden Wuppertalers fallen, und sei es nur die Frage, ob auf einer Kreuzung ein billiger Zebrastreifen oder eine teure Ampel den Fußgängern hilft, sicher über die Straße zu kommen. Schon deshalb haben Oberbürgermeister sowie die Damen und Herren aller demokratischen Parteien in den Ratsälen Aufmerksamkeit, Wertschätzung und Respekt verdient.

Dazu tragen allerdings nicht immer alle bei. Von den fremdenfeindlichen Nichtsnutzen abgesehen, hat sich jetzt der im Rat vertretene Verein Wählergemeinschaft für Wuppertal, WfW, dabei ganz besonders hervorgetan. Er geht plötzlich und unerwartet mit einer eigenen Kandidatin in den OB-Wahlkampf. Dagegen ist im Grunde nichts zu sagen, auch wenn sich nur 16 Vereinsmitglieder an der Kandidatenkür beteiligt haben.

Was schwerer wiegt, ist der Umstand, dass die Wahl wie eine Nacht- und Nebelaktion wirkt und den Eindruck erweckt, dass der Gastronom, Künstler und leidenschaftliche Zyniker Ralf Streuf als Vereinsvorsitzender, der ungeliebten Fraktionsvorsitzenden im Stadtrat, Dorothea Glauner, zeigen will, wer Koch ist und wer Kellner. Mit sachorientierter Politik für Wuppertal oder gar mit der Wahl des Oberbürgermeisters hat das alles jedenfalls nichts zu tun. Das ist bestenfalls Klamauk.

Der aber hat im OB-Wahlkampf nichts zu suchen. Dafür sind dieses Amt und der Stadtrat viel zu wichtig. Wer will, dass Kommunalpolitik und Kommunalpolitiker den Stellenwert bekommen, der ihnen zusteht, der muss sich auch so verhalten. Die WfW scheint dazu nicht mehr in der Lage zu sein.

lothar.leuschen@wz.de

Mehr von Westdeutsche Zeitung