Bilder erzählen Stadtgeschichten: Historische Fotos: Erinnerungen an Bergisch Nizza

Bilder erzählen Stadtgeschichten : Historische Fotos: Erinnerungen an Bergisch Nizza

Der Enkel erzählt, wie es der letzten Besitzerin Paula Gutmann ergangen ist. Und ein Sammler hat noch alte Gartenstühle.

Gelpe. „Sie hat keine Arbeit gescheut, keinen Augenblick geruht.“ An die Energie seiner Großmutter Paula Gutmann kann sich ihr Enkel noch erinnern. Aber an ihre Gaststätte „Bergisch Nizza“ im Gelpetal hat der 79-Jährige, der seinen Namen nicht im Internet veröffentlichen will, nur wenige Erinnerungen — kein Wunder, war er doch erst sechs Jahre alt, als eine Weltkriegsbombe das beliebte Ausflugsziel zerstörte. Genauso alt ist Edwin Markert (79), der Historisches sammelt — auch von „Bergisch Nizza“.

Der Enkel weiß noch: „Das war ein Café mit großer Terrasse.“ Die Räume im Inneren seien auch sehr groß gewesen. Er habe mit seinen Brüdern oft im Garten gespielt, wenn er mit seinen Eltern dort war.

Auf den WZ-Artikel über „Bergisch Nizza“ hat Lokalhistoriker Klaus Günther Conrads den Kontakt vermittelt. Der Enkel berichtet über Paula Gutmann, geborene Grunz: „In jungen Jahren war sie sehr sportlich, sie schwamm gern.“ Sie habe ein langes Leben gehabt, sei „geistig sehr rege“ gewesen, „bis zu ihrem Tod mit 96 Jahren.“ Dabei hatte sie es nicht leicht. Sie habe das Lokal von Mitte der 30er Jahre an allein geführt, nachdem ihr Mann früh gestorben war.

Das Haus mit den Türmen und Erkern habe das Paar gekauft. Sein Großvater stammte aus Waldeck, einer Region, aus der damals viele nach Wuppertal kamen, um in der Textilindustrie zu arbeiten. 1943 sei das Lokal von deutschen Truppen beschlagnahmt worden: „Die Säle wurden gebraucht, um die Soldaten zu beherbergen.“ Möglicherweise sei das auch der Grund für die Bombardierung gewesen - oder der Schornstein in der Nähe.

Seine Großmutter hatte durch den Angriff alles verloren. Sie sei dann mit ihrer Schwiegertochter und zwei Enkeln in das Heimatdorf ihres Mannes gezogen, habe dort lange gelebt. In den schwierigen Zeiten mussten sie auf engem Raum wohnen, sie konnte aber einen kleinen Garten bestellen. Später sei sie zu ihnen gezogen, berichtet der Enkel, ganz zuletzt in ein Altersheim. „Sie war eine sehrliebevolle, einmalige Großmutter.“ Das Grundstück, das inzwischen unter Naturschutzstand stand — „man konnte dort nichts bauen“ — habe die Familie nach und nach verkauft.

Von dem einst prächtigen Gebäude ist heute kaum noch etwas zu sehen. Nur noch wenige ältere Wuppertaler können sich erinnern. Edwin Markert weiß davon vor allem durch Erzählungen seiner Eltern. Die hatten sich im Zillertal kennengelernt, kehrten aber auch in den anderen Lokalen im Gelpetal gern ein. „,Bergisch Nizza’ war das größte und schönste“, so viel haben sie ihm überliefert.

Er kann heute die alten Zeiten ein bisschen nacherleben, denn in seinem Garten stehen ein Tisch und Stühle aus „Bergisch Nizza“. „Das Holz habe ich erneuert, aber das Metall ist original“, versichert er. Er habe das Gestell auch so grün lackiert, wie es damals war.

Er hat die Gartenmöbel von Nachbarn, in deren Garten sie jahrelang standen. Als diese ins Altersheim zogen, durfte Edwin Markert sie mitnehmen. Der Mann sei Kellner in dem Lokal gewesen, die Familie habe sich die Möbel nach dem Angriff nehmen dürfen.

Und noch ein Erinnerungsstück an das Lokal nennt er sein eigen: eine Tasse, aus dickem weißen Porzellan mit einem verschnörkelten Henkel. Ein Bauer habe sie jahrelang in seinem Kuhstall gehabt, sie ihm eines Tages geschenkt.

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