Bilder erzählen Stadtgeschichte: Döppersberg: Der Verkehrsknoten im Wandel

Bilder erzählen Stadtgeschichte : Döppersberg: Der Verkehrsknoten im Wandel

In den 60ern nahm die Zahl der Autos massiv zu. Kurt Keil bebilderte das mit dem Döppersberg.

Wuppertal. War es eine bessere Zeit, Ende der 60er-Jahre? Jedenfalls fuhren damals viele Autos, die heute als Oldtimer neidische Blicke auf sich ziehen. Dass die Autos damals ein anderes Flair auf die Straßen gebracht haben, mag sein. Das könnte aber auch nur die Idealisierung der Vergangenheit sein. Dass es damals weniger Verkehr gab, das dürfte jedenfalls ein Trugschluss sein.

Kurt Keil, früherer Fotograf der Westdeutschen Zeitung, hat das Foto vom Döppersberg Ende Januar 1968 gemacht. „Es ging darum, dass sich das Verkehrsaufkommen innerhalb eines Jahres verdoppelt hatte“, sagt er. „Da hat mich die Redaktion losgeschickt — und ich bin zum Döppersberg gegangen, um das Foto zu schießen“. Der sei schon immer der Verkehrsknotenpunkt der Stadt gewesen.

Das stimmt nicht ganz, denn im 18. Jahrhundert lag der Döppersberg noch am Rande der Stadt Elberfeld. Erst im 19. Jahrhundert entwickelte sich der Döppersberg zum Verkehrsknotenpunkt, während die Stadt von 29 000 Einwohner (1829) auf mehr als 100.000 Einwohner im Jahr 1883 wuchs.

Damals wurde der Döppersberg schon als Tor zur Stadt begriffen und dafür hergerichtet — mit Schwimmanstalt, Stadttheater und Bahnhofsvorplatz.

Nach dem Zweiten Weltkrieg musste umgestaltet werden. Und da der Autoverkehr zunahm, wurde der Döppersberg autogerecht. Die Fußgänger wurden 1960 in den Tunnel zum Hauptbahnhof verbannt und der Autoverkehr in den Mittelpunkt gerückt.

Zugenommen hat die Anzahl der Autos aber seitdem konstant — zumindest eine Zeit lang. 1950 gab es 14 687 Kraftfahrzeuge in der Stadt, 1969 waren es 89 807 und im Jahr 1991 dann 189 571.

Die aktuellen Zahlen verheißen zumindest Stillstand: 166 597 Autos sind in Wuppertal zugelassen, 8452 Lastwagen und 16.222 Krafträder.

Was sich geändert hat, ist die Verkehrsführung. Denn auf dem Bild ist noch die Bahnhofstraße zu erkennen, vorne im Bild, die direkt zum Bahnhof geführt hat. Auch gab es damals noch die Straßenbahn, die am Döppersberg bis Mitte der 80er Jahre ihren zentralen Umstiegspunkt hatte. Auf dem Bild sind noch Bahnen zu sehen, die aus der und in die Morianstraße fahren, wo sie heute unter den City-Arkaden durchfahren müssten.

Mitte der 1980er Jahre gab es Pläne, die B 7 ab dem Brausenwerth in einem Tunnel verschwinden zu lassen. Doch diesen Affront gegen die Autolobby wagte die Stadt nicht.

Die Pläne für den aktuellen Umbau entstanden vor rund zehn Jahren - dass Wuppertal mal Fahrradstadt sein wollen würde, hat da noch keiner geahnt. Die Autos bleiben also zentral. Vielleicht ist das ein Ansatz für den nächsten Wandel am Döppersberg - denn der kommt bestimmt.

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