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Die Staatsschauspieler aus dem Ratssaal

Die Staatsschauspieler aus dem Ratssaal

Der satirische Wochenrückblick

Na endlich. Während die Splittergruppen FDP, Grüne und die Linke mit ihrem Antrag auf künftige Live-Übertragung der Ratssitzungen noch im September gestrandet sind, holt jetzt die Koalition aus Rest-CDU und Abnick-SPD zum ganz großen Schlag aus und beschließt das Live-Polit-TV — und zwar mit der grandiosen Begründung, dem Bürger mit noch mehr Demokratie und Transparenz ihr zünftiges Vereinsleben vorzuführen. Großartig: Schon bald können wir ganz entspannt vom heimischen Sofa aus mit Chips und Käse-Igel die Doku-Soap im Ratssaal verfolgen. Vielleicht wird das gesprochene Wort dann mit Gebärdensprache untermalt, damit auch die gequält werden, die sonst nichts hören können. Schon die Vorstellung, seine christliche Heiterkeit Bernhard Simon plus Hofstaat live und in Farbe intrigieren zu sehen, macht Hoffnung, beim nächsten Deutschen Fernsehpreis einen Wuppertaler feiern zu dürfen.

Apropos noch mehr Demokratie: Eine Sammlung von über 1000 Unterschriften zum Erhalt des Schauspielhauses konnte leider nicht vor Ort dem Rat übergeben werden. Die zahlreich erschienenen uniformierten Vertreter der Exekutive verhinderten erfolgreich sowohl die Übergabe, als auch das Betreten des Ratssaals, obwohl das gar nicht nötig gewesen wäre. Man hatte nämlich die Demokraten in selbigem vor ihnen weggeschlossen. Also nicht nur der Wuppertaler Haushalt ist in einem bemitleidenswerten Zustand, sondern auch das Demokratieverständnis hat einige Kilometer Luft nach oben.

Fest steht jedenfalls, dass das Schauspielhaus nun endgültig geschlossen wird — wahrscheinlich zugunsten eines kuscheligen Baumarktes, den es an der Kluse noch nicht gibt. Wozu auch ein Schauspielhaus, wo es doch den Ratssaal gibt? Vielleicht wäre die Kluse aber auch der richtige Standort für die neue Forensik?

Deren Gegner, also fast 400 Demonstranten, standen mit ihren Sorgen vor dem Rathaus und wurden von ihren Volksvertretern nicht einmal zur Kenntnis genommen. Das schafft notwendiges Vertrauen und 400 neue Nichtwähler im nächsten Jahr.

Gänzlich demokratisch und transparent zeigte sich in diesen Tagen der Vorzeigeverein WSV. Der Übungsleiter der Freizeitkicker, Hans-Günter Bruns, wurde mehrheitlich freigestellt, obwohl seine Jungs nur ein paar Spiele verloren hatten. Das ist völlig anders als bei der CDU, wo man nicht einmal die Freistellung des Sportsfreundes Simon durchzusetzen vermag, dem man gemeinhin Schlimmeres nachsagt: Der hat nicht nur ein paar Spiele verloren, sondern das komplette System karikiert. Deshalb wenden sich jetzt mal wieder einige CDU-ler mit Grausen ab und bilden ein eigenes Clübchen. Klar, das kostet den Bürger einiges. Aber das sind uns die Damen und ihr Seelenheil allemal wert — E³hrenwort!