Gruselige Geschichten auf der Nordbahntrasse

Gruselige Geschichten auf der Nordbahntrasse

Lutz Eßrich führte 100 Wanderer über die Nordbahntrasse.

Barmen. Etwa 100 plaudernde Wanderer hat Lutz Eßrich im Schlepptau, als er in der Woche der Mobilität zur Tour über die Trasse aufbricht, per Tunnel den Rott unterquert und dort hoffnungslos von seinem wandernden Gefolge übertönt wird.

Dabei besitzt sein Megaphon beim Start am Bahnhof Loh noch hinreichend Durchschlagkraft. Dies sei der Personenbahnhof am westlichsten Ende Barmens gewesen, der Güterbahnhof habe sich wenige Meter weiter östlich befunden, sagt Eßrich. Im Verwirrspiel der Himmelsrichtungen geht fast unter, dass „Barmen und Elberfeld ursprünglich gar nicht von der Rheinischen Strecke tangiert werden sollten“. Es sei eine reine Prestigefrage gewesen, die beiden Großstädte an der Wupper auch noch mitzunehmen.

Fast gruselig klingen Eßrichs Ausführungen über vier bis fünf Loks, die den Waggons vorgespannt werden mussten, um auf der alternativen Bergisch-Märkischen Strecke die Steigungen zu überwinden. Nicht minder schauerlich hört es sich an, dass einst fast zwei Wochen vergehen konnten, bis Stoffballen von der Hofaue in Düsseldorf anlangten. Kein Wunder also, dass die Rheinische Strecke mit ihren mäßigen Steigungen gar nicht so unbeliebt war. Und doch: Es ging bald das Geld aus, so dass kräftig gespart werden musste, auch an den Bahnhofsgebäuden, die mit Elan begonnen und ermattet fertiggestellt wurden.

Die Parallele zur heutigen Finanzlage gibt den Wanderern nur kurz zu denken. Dann ziehen sie hinaus und staunen weit mehr über die ungewohnten Ausblicke auf Wuppertal. „Wir haben ja auch Glück mit dem Wetter“, freut sich Harry Rehders, der zwar schon auf der Sambatrasse marschiert ist, die Nordbahntrasse aber noch nicht kennt.

Kaum hat der lautstarke Tross den Rott-Tunnel durchschritten, sind gegen den ergrauten Himmel aufgescheuchte Fledermäuse zu sehen. Wer zurückkehren möchte, bevor Wichlinghausen erreicht ist, erlebt das Trassenfieber auf eigentümliche Art. Denn was auf der Bahnstrecke in einer halben Stunde erwandert wurde, verschlingt auf Straßenstücken glatt die doppelte Zeit.

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