Graffiti-Kunst an der Trasse

Die Stützmauer unter der Briller Straße ist zur legalen Leinwand für Sprayer geworden.

Wuppertal. Skia hat schon ein Verfahren laufen. Der Vorwurf: Er soll Kunst auf Wände gesprüht haben. Aus der Zeitung erfuhr er kürzlich, dass an der Nordbahntrasse eine „Hall of Fame“ entstehen soll — eine Mauer für legales Sprayen. An der steht er nun und ist unschlüssig. „Ich habe noch keinen Plan“, sagt er auf die Frage, was er an der mächtigen Stützmauer unter der Briller Straße hinterlassen möchte. Es scheint, als wäre die plötzlich gewonnene Freiheit ein Gut, das erst einmal verkraftet werden muss. Doch dann legt Skia los, tastet sich mit einigen Linien vor.

Für den Graffiti-Künstler Martin Heuwold ging mit der Kunstaktion am Wochenende, zu der rund 40 Künstler eingeladen waren, ein lang gehegter Wunsch in Erfüllung. Er selbst ist in der glücklichen Lage, seine Kunst legal und im Auftrag von Firmen auf Wänden anbringen zu dürfen. Für viele seiner Kollegen sieht das anders aus.

Deshalb hatte Heuwold vor etwa vier Jahren die Idee zur „Hall of Fame“ an der Nordbahntrasse. Unterstützung durch die Wuppertal Bewegung hat den Weg geebnet. Und auch die Stadt hat offenbar erkannt, dass man Graffiti-Künstlern ein legales Betätigungsfeld anbieten muss.

So etwas gibt es schon seit langem an der Betontreppe Bergstraße. Die Fläche dort aber ist letztlich zu klein. Mit rund 800 Quadratmetern ist die Stützmauer hinter dem Aldi-Geländeunter dem Briller Kreuz ein wahrlich mächtiger Gewinn. Die Eröffnungsaktion am Wochenende hat Heuwold mit den Graffiti-Malern Dominik Hebestreit, Ognjen Pavic und Norman Schlegel organisiert.

Auf die Bilder, die in Zukunft auf die Wand gesprüht werden, haben sie nun keinerlei Einfluss mehr. Doch ein Ehrenkodex unter den Künstlern setzt einen gewissen Rahmen. Wenn ein Motiv lange unangetastet bleibt, dann ist dies Indiz für sein Ansehen unter den Sprayern. Die Aktion wurde jedenfalls von vielen Nordbahntrassen-Nutzern neugierig beäugt.

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