Eine Kunstwand für die Trasse

Die Stützmauer unterhalb der Briller Straße soll Heimat aller Graffiti-Künstler und damit zu einem Blickfang werden. Den Auftakt gibt es am 27. und 28. Juli.

Wuppertal. Die Nordbahntrasse bekommt einen weiteren „Hingucker“: Einvernehmlich mit der Stadt will die Wuppertal Bewegung die große Stützwand in Höhe der Briller Straße auf Dauer zur Plattform aller Graffiti-Künstler machen. Eine solche „Hall of Fame“ gibt es schon in Bochum, Neuss und in Düsseldorf — und sie könnte in Wuppertal zur Attraktion am Rad- und Wanderweg werden.

Die Elberfelder Farbwand ist selbst in den Abend- und Nachtstunden gut zu betrachten: Bis Ende Juni sollen auch entlang der Brücke Briller Straße LED-Lampen montiert sein, die ihren Schein dann auf die monumentale Stützwand werfen. Mit Farbspray ist das Bauwerk schon jetzt versehen, und im ersten Schritt geht es darum, die Wand so zu grundieren, dass sie neu bemalt werden kann. Dazu soll es am 27. und 28. Juli eine öffentliche Aktion geben, an der sich alle Graffiti-Künstler beteiligen können.

Bei der Organisation laufen die Fäden bei den Wuppertaler Graffiti-Malern Dominik Hebestreit, Ognjen Pavic und Martin Heuwold zusammen — ebenso bei ihrem Kölner Kollegen Norman Schlegel. Heuwold hat sich auf der Trasse bereits mit der Gestaltung der „Lego-Brücke“ an der Schwesterstraße einen Namen gemacht.

„Das hier soll keine Prestigefläche werden“, unterstreicht es Heuwold beim Ortstermin. Der Charme einer „Hall of Fame“ bestehe darin, dass „sie sich immer wieder verändert“ und neue Motive bietet. Farbspray kann auf der Wand ebenso zum Einsatz kommen wie Pinseltechnik. „Da gibt es keine Regeln.“ Und je länger ein Motiv an einer „Hall of Fame“ bestehe, umso größer sei der Respekt, den andere Künstler ihm entgegenbringen. Heuwold selbst malt bereits seit 24 Jahren.

Lutz Eßrich, „Trassenscout“ der Wuppertal Bewegung, sieht die „Hall of Fame“ wie die Stadt auch pragmatisch: Ein solches Forum erübrige „wildes“ Sprayen an anderen Stellen und verschaffe der Kunstform ein Forum an prominenter Stelle. So ist die Juli-Aktion nur der Anfang: „Hier kann dann immer gemalt werden“, sagt Heuwold. „Damit muss keiner Angst haben, nicht zum Zuge zu kommen.“ Da die Szene sehr gut vernetzt ist, ist mit nationalen und internationalen Graffiti-Künstlern in Wuppertal zu rechnen. In Kontakt steht Martin Heuwold im Moment zum Beispiel auch mit Malern aus Colorado in den USA.

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