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Bundestagswahl: Wahlwerbung: „Der Spruch könnte zu jedem passen“

Bundestagswahl : Wahlwerbung: „Der Spruch könnte zu jedem passen“

Junge Erwachsene sind unter den Wahlberechtigten in der Minderheit. Was sagen ihnen die Wahlplakate der Parteien?

Wuppertal. Die kommende Wahl wird von den Alten entschieden. 56 Prozent der Wahlberechtigten sind älter als 50 Jahre - nur 15 Prozent sind zwischen 18 und 30 Jahre alt. Da gerät leicht in Vergessenheit, was den jungen Wählern wichtig ist, worauf es ihnen ankommt - auch bei den Parteien, die um die Stimmen werben. Oder? Beim Blick auf die Wahlplakate scheint es ein wenig so. Wir waren mit vier Jungwählern an der B7 unterwegs und haben sie gefragt, was die Plakate ihnen sagen. Sie sind sich einig: Sie fühlen sich von keinem der Plakate repräsentiert.

Helge Lindh, Direktkandidat der SPD im Wahlkreis Wuppertal I, zeigt sich volksnah. Er sitzt mit Menschen am Tisch und spricht. Das kommt nicht schlecht an. Valeria Scalora (18) von der Else-Lasker-Schüler Gesamtschule findet das sympathisch. Leo Stotz (18, Else) auch. Er findet aber auch, dass der Spruch nicht ganz schlüssig ist. „Wie kann denn mehr Helge zu mehr Wir führen?“ Louis Färber (18, Gymnasium Bayreuther Straße) findet die Plakate vor allem nichtssagend: „Klar, die SPD will sozial sein. Aber der Spruch könnte zu jedem passen.“

Im Verhältnis zum CDU-Plakat steht das der SPD dann doch wieder ganz gut da. Leo Stotz sagt, dass der Spruch bei Lindh dann doch mehr Klang habe als der der CDU. Generell ist allen das Plakat mit Spiecker im Vordergrund zu bieder, zu „langweilig und konservativ“, wie Louis Färber sagt. Die ganze Aufmachung - Spicker im Anzug, im Vordergrund, der Hintergrund verschwommen - lässt die Schüler eher abgeschreckt zurück. Auf Nico Trappmann (19, Else) wirkt es so, als gehöre Spiecker nicht dazu.

Zwar finden die Schüler das Thema Sicherheit wichtig. Aber der Slogan scheint sie nicht zu überzeugen. Nico Trappmann: „Ob ausgerechnet er dafür sorgt, dass wir sicher leben?“ Für Louis Färber steht Sicherheit für die im öffentlichen Raum. „Ich will keine öffentliche Überwachung, mich nicht beobachtet fühlen.“

Die Linke ist für die Jugendlichen eine Option - mit großem Aber. Nico Trappmann sagt, die Ideen seien teilweise gut. Aber die Finanzierung sei schwierig - und daher die Glaubwürdigkeit auch nicht so sicher. „Das ist fast Kommunismus.“ Aber auch Louis Färber ist bei ihm: Wie finanzieren wir Kitas? Wie verteilen wir das Geld, das es in Deutschland gibt?“ Das sind Fragen, die ihn beschäftigen.

Leo Stotz ist da anderer Meinung. „Mich erstaunt, dass Sicherheit euch nicht so wichtig ist wie Gerechtigkeit.“ Aus seiner Sicht geht Sicherheit vorne weg. Louis Färber hält dagegen: In Deutschland sei es eh relativ sicher. Und Sicherheit müsse finanziert werden. Auch da spielten Verteilungsfragen eine Rolle.

Das Plakat in Rosa und Grün punktet bei den Schülern. Das sei eindeutig das schönste Plakat. Nicht so konservativ, dafür farbenfroh. Dabei finden die Schüler fast alle die Grünen zu grün. Sie haben das Gefühl, nicht die ganze Wahrheit von der Partei zu hören, gerade beim Thema Elektromobilität. „Die verkaufen die Umstellung als zu einfach“, findet Trappmann. Umwelt ist aber allen wichtig - direkt nach sozialer Gerechtigkeit. „Denn der Klimawandel betrifft unsere Generation direkt, und auch die danach“, sagt Louis Färber.

Wie in einer Magazin-Anzeige sehe das FDP-Plakat aus, findet Valeria Scalora. Wie ein Plakat für Hugo Boss, meint Louis Färber. „So will er ja auch wirken“, kommentiert Nico Trappmann. Das Kalkül der FDP-Kampagne ist allen klar. Aber sie wirkt. Die Schüler beschreiben es als modern. Auch wenn es eher Eigenwerbung sei als Parteiwerbung, sagt Louis Färber. Es komme eben auch darauf, wie man Inhalte verkaufe, sagt Färber. Gleichzeitig bleibt für die Schüler die Frage, was die FDP verkauft. „Auf was warten wir denn?“, fragt Färber. „Der will etwas umkrempeln — aber was, das sagt er nicht“, meint Nico Trappmann.