1. Specials
  2. NRW
  3. Wuppertal

Bewohntes Museum: Uwe Dresen und seine 30-Zimmer-Bremme-Villa

Bewohntes Museum: Uwe Dresen und seine 30-Zimmer-Bremme-Villa

Uwe Dresen hat das Denkmal gekauft — und wieder mit Leben gefüllt.

Heidt. Zugegeben, wer Uwe Dresen kennt, hätte wahrscheinlich nichts anderes erwartet. Natürlich wohnt der Besitzer der Kultkneipe „Marlene“ nicht „08/15“. Trotzdem ist der Besucher, wenn er die ehemalige Villa des Brauerei-Besitzers Emil Bremme betritt, erschlagen, weiß nicht, wohin er schauen soll. Unzählige Gemälde an der Wand, ein uraltes Fahrrad im Gang, ausgestopfte Tiere — vom Papagei über einen Affen bis zur Schildkröte —, schwere Teppiche, ein Skelett — Überbleibsel aus Dresens Studienzeit —, ein Sarg, ein Tresor — beide leer —, und, und, und. Alles verteilt auf zwölf Zimmer. Jeder Quadratzentimeter scheint belegt. „Och, ich könnte locker noch 20 Zimmer mehr haben“, sagt Dresen und lacht.

Insgesamt 600 Quadratmeter Wohnfläche und 30 Zimmer bietet die Villa, die 1890 für den Sohn von Firmengründer Carl Bremme erbaut worden war. Die zweite Etage bewohnt Andreas Fischbach, Dresens bester Freund und Miteigentümer, der Rest ist vermietet. 1988 hatte Dresen die Villa direkt von der Familie Bremme gekauft. „Ich wollte eine alte Bude haben“, erinnert sich der Kneipier, der — ganz Diva — sein Alter natürlich nicht in der Zeitung lesen möchte.

Man mag es kaum glauben, aber damals war der Bau praktisch leer. „Ich dachte damals: Hier kannst du radfahren, soviel Platz gab es.“ Die Möbel und das gesamte Interieur brachte Dresen im Lauf der Jahre ein. „Das ging ganz schnell.“

Nicht Protz, nicht Plüsch — es fällt schwer, den Stil zu beschreiben. „Auf jeden Fall kaisertreu“, sagt der Hausherr, lacht mal wieder und zeigt auf diverse Stücke aus der wilhelminischen Ära. Ansonsten hat sich — freundlich ausgedrückt — auch viel Krimskrams angesammelt, Einmachgläser etwa mit nicht mehr so leicht identifizierbarem Inhalt. „Meine Mutter wollte die wegschmeißen. Ich hab’ aber gesagt: Das ist doch eine gute Deko“, erzählt Dresen bei einem Kaffee in der Küche. Dutzende Backformen hängen da an der Wand. Ebenfalls nur noch Deko.

Und bei den vielen alten Gläsern in der Vitrine darf natürlich auch eines des Bremme-Bräus nicht fehlen. „Die Aufschrift war noch in Zwanzigsteln. 10/20 waren ein halber Liter“, erklärt Dresen. Auch andere Devotionalien der Brauerei, die von 1842 bis in die 1990er Jahre Bier braute, finden sich. Ein Bild etwa, das zum 50-jährigen Bestehen der Firma entstand und Porträts der damaligen Unternehmensspitze zeigt. „Das hing in der Brauereiverwaltung. Darunter wurden alle Verträge unterzeichnet“, weiß Dresen. Die Brauerei liegt direkt nebenan, vom Salon aus hatte Emil Bremme das Gebäude im Blick.

Zu fast allen Gegenständen in der Villa könnte der Hausherr wahrscheinlich eine Geschichte erzählen. Böse Zungen würden bei vielen Sachen auch von Staubfängern sprechen. Dresen sieht das eher locker, räumt aber ein: „Auch wenn ich dauernd mit einem Tuch unterwegs bin. Den Kampf gegen den Staub kann ich eigentlich aufgeben.“

Gemütlich ist es auf jeden Fall. Im Fernsehzimmer etwa gibt es eine Kissenlandschaft mit — grob geschätzt — 100 Kissen. Das TV-Gerät ist allerdings im Schrank verborgen. „Das würde doch den Eindruck kaputt machen“, gibt sich Dresen entrüstet. Denn auch, wenn sich sein System bei der Einrichtung nicht unbedingt direkt erkennen lässt: Der Großteil hat schon mindestens Jahrzehnte auf dem Buckel.

Schließlich will Dresen den Charme und die Historie des Hauses erhalten. „Im Bad steht zum Beispiel noch die Original-Wanne von damals.“ Die Elektro-Sicherungen seien teilweise von 1908. „Als ich mal im Freiluftmuseum Lindlar war, waren solche Sicherungen dort Ausstellungsstücke. Bei mir sind die noch in Gebrauch und funktionieren“, ist er stolz.

Und was wäre eine echte Villa ohne die passende Gartenlandschaft? „Ein Morgen Land gehört hierzu“, erklärt Dresen. Also über 2500 Quadratmeter. Mit Teich und einer Tuffstein-Grotte — um 1900 der letzte Schrei.

Auf der Terrasse trifft Dresen Ralf Wagener. Der hat mit seiner Frau den Anbau angemietet und schwärmt: „Wer einmal hier wohnt, will nicht mehr weg.“ Auch wenn die Wageners ihr Heim völlig anders gestaltet haben. Ebenfalls gemütlich, aber eben modern.

Und was würde sich Dresen noch für seine Villa wünschen? „Eigentlich hab ich ja alles“, sagt er und lacht. Irgendwas wird er aber sicher noch finden. Und irgendwo in den zwölf Zimmern findet sich dann auch noch ein Plätzchen.