Haus Heine: In Henriette Davidis’ Nachfolge

Haus Heine: In Henriette Davidis’ Nachfolge

Sieben Jahre lebte die populäre Kochbuchautorin in Haus Heine. Heute ist dort eine Gaststätte.

Niedersprockhövel. Viele Spuren hat Henriette Davidis an ihrer einstigen Wirkungsstätte nicht hinterlassen. Lediglich eine Plakette an der Wand des Hauses in der Hauptstraße 4 erinnert an das Wirken der berühmten Kochbuchautorin im 19. Jahrhundert. Heute sind in dem Gebäude Wohnungen und im Anbau eine Gastwirtschaft untergebracht.

Wer will, kann letztere aber dennoch als das Ende eines roten Fadens sehen, der sich rund um das Thema Essen durch die Geschichte des Hauses zieht: Von der Kochbuchautorin, die dort eine Mädchenarbeitsschule unterhielt und künftigen Hausfrauen das Küchenhandwerk beibrachte, über die Familie Heine, die dort lange Jahre ein Café betrieb, über Rolf Leck, der das Haus 1982 kaufte und einen Imbiss einrichtete und schließlich Nele Sternhagen, die aus dem "Sprockhöveler Treff" wieder das Haus Heine machte und neue Pächterin der Gaststätte ist. Ein Haus also, das vor allem für seine Küche bekannt war und ist.

"Dort wo jetzt das Treppenhaus ist, war früher wohl die Küche von Henriette Davidis", sagt Hauseigentümer Rolf Leck. "Küche konnte man das aber nicht nennen, eigentlich war das ein sechs Quadratmeter großer dunkler Kabuff." Leck baute das Haus damals um, vergrößerte das Treppenhaus und riss die Küche ab.

"Als wir das Haus übernahmen, musste einiges gemacht werden, wir waren bestimmt fünf Jahre nur mit Bauarbeiten beschäftigt", erzählt er. So begradigte Leck zum Beispiel krumme Wände und richtete hinter dem Haus einen Biergarten ein. Hin und wieder fragen Besucher der Gaststätte noch nach der berühmten, einstigen Bewohnerin, aber das sei sehr selten, sagt Nele Sternhagen.

Es ist ja auch schon lange her, dass Henriette Davidis das Haus an der Hauptstraße bewohnte. Von 1841 bis 1848 lebte sie in dem Fachwerkhaus, Baujahr 1830.

Zwar lässt sich die Mädchenarbeitsschule durch Sprockhöveler Akten nicht genau belegen, wohl aber ein Frauenverein, der "arme Kinder weiblichen Geschlechts" in Handarbeiten und Kochen unterrichtete. Diese Kinder blickten vielleicht durch die gleichen Fenster hinab auf die Straße wie heute Monika Brockhaus.

Sie wohnt seit vielen Jahren in dem denkmalgeschützten Haus und erlebt es oft, dass ihre Besucher staunen, wie hell und gemütlich es in dem Fachwerkhaus ist. "Natürlich knarzt und ächzt es manchmal im Gebälk, aber daran habe ich mich längst gewöhnt", sagt sie.

Auch die steile Treppe in den ersten Stock sei reine Gewöhnungssache. "Einmal ist hier jeder von uns schon runtergerutscht", sagt Nele Sternhagen, die in dem Haus nicht nur arbeitet, sondern auch lebt. In ihrer Gastwirtschaft bietet sie bürgerliche Küche an. Und vielleicht findet sich dort ja auch das ein oder andere Gericht, das auf dem populären Kochbuch von Henriette Davidis basiert.

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