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Sommer im Regen: Wie Ferienfreizeiten mit Regen ringen und spielen

Sommer im Regen : Wie Ferienfreizeiten mit Regen ringen und spielen

Hitze, Hagel, Sturm und Schauer — Sonja Hirschberg hat alle Formen von Sommer und Doch-nicht-Sommer erlebt und teilt ihre Erfahrungen.

Düsseldorf. Sonja Hirschberg bevorzugt die Mitte. Ist es zu heiß, kommen die Bauarbeiten am „Düsseldörfchen“ nur zäh voran. Regnet es regelmäßig, lähmt das genauso, denn dann sind die vielen Architekten und Baumeister nicht so gerne draußen, dann trocknet die Farbe nicht und dann wird viel Zeit in Vordächer investiert. Deshalb die Mitte.

Das bundesweit bekannte Kulturprojekt „Düsseldörfchen“ ist eine der größten Ferienfreizeiten in der ähnlich heißenden Landeshauptstadt. 350 Kinder und mehr als 50 Betreuer errichten in drei Wochen der großen Ferien im Südpark ihre eigene kleine Stadt mit allem, was sie aus der Erwachsenenwelt kennen: vom Rathaus und Zollamt über Souvenirshop, Sandwich-Stand und Bank bis zu Zeitung und Radio. Die Kinder wählen einen Bürgermeister, suchen sich einen Job aus und bauen Autos. Sie organisieren mittwochs einen Markt und freitags ein Stadtfest. Kinder und Betreuer sind wochentags von 9 bis 17 Uhr im Südpark.

Wie schön und bunt das Leben im „Düsseldörfchen“ wird, hängt dann nicht unwesentlich von den meteorologischen Bedingungen ab. Während Hitze vor allem genügend Schatten und Wasser erfordert, nehmen der Regen und dessen bloße Möglichkeit einen wichtigen Platz in den Plänen von Organisatorin Sonja Hirschberg vom Kulturverein Akki ein. Ihre Erfahrung und ihre Tipps können deshalb Ferienferienzeiten in vielen Dörfchen und Städten helfen:

Man kann sich nicht genug übers Wetter informieren. Sonja Hirschberg hat drei Wetter-Apps auf ihrem Smartphone und ist inzwischen wie viele ihrer Kollegen geübte Leserin der Angaben. Sie setzt vor allem auf den Regenradar. „Damit kann man genau beobachten, wie die Wolken ziehen. Wir wollen einen Programmpunkt nicht unnötig absagen, aber auch nicht anfangen und nach einer Viertelstunde wieder einpacken.“ Hirschberg empfiehlt darüber hinaus, vor einem Ferienlager Kontakt zum Deutschen Wetterdienst aufzunehmen und sich über dessen Angebote zu informieren. Dazu zählen zum Beispiel auch automatische Nachrichten aufs Handy, wenn ein Unwetter droht.

Regen erfordert einen Rettungsplan, Teil 1. Das, was in der Schule die Feuerübung ist, ist im Ferienlager der Test des Unwetter-Notfall-Plans, den die Kinder und Betreuer am zweiten Tag absolvieren. Gemeinsam mit Feuerwehr und Jugendamt haben die Organisatoren des „Düsseldörfchens“ mehrere Warnstufen festgelegt. Bei Stufe 1 gehen alle Teilnehmer in die großen gesicherten Zelte. Die Betreuer laufen mit dem Megafon über den Platz und kontrollieren, dass keine Kinder mehr in den Werkstätten sind.

Bei der heftigeren Stufe 2, einem Sturm, drücken die Organisatoren als erstes einen Knopf. Sie haben vorher alle Handynummern der Eltern eingespeichert und senden per Knopfdruck die Nachricht, dass die Eltern die Kinder schnell abholen sollten und bis wann das möglich ist. Die Kinder, die nicht abgeholt werden können, gehen mit den Betreuern in die feste Halle des Akki-Hauses und sind dort sicher.

Regen erfordert einen Rettungsplan, Teil 2. Wenn viel Programm in den Zelten stattfinden muss, ist das auch ein Stressfaktor. Die Kinder hocken mehr aufeinander, der Geräuschpegel steigt. Für die Hauptzelte haben die Betreuer des „Düsseldörfchens“ deshalb ein Extra-Programm entwickelt, damit die Kinder abgelenkt werden und bei Gewitter keine Angst haben.

Es gibt doch falsche Kleidung. Mit Blick auf die Garderobe raten die Macher der städtischen Ferienfreizeit zu doppelter Sicherheit. Die Kinder sollten jeden Tag einen Rucksack dabei haben, in dem auch eine Regenjacke, ein Handtuch und Sachen zum Wechseln sind. Für alle Kinder, bei denen das ein oder andere Teil von dieser Checkliste fehlt, sollten die Organisatoren vorsichtshalber eine Kiste mit ein paar Notfall-Shirts bereithalten.

Doppelter Boden kann sehr hilfreich sein. Das größte Problem durch und nach Regen ergibt sich unter den Füßen. Der Boden weicht auf, Wege und Wiesen verwandeln sich in Matschlandschaften und die Kinder tragen den Lehm nach und nach in die Zelte. Die Organisatoren des „Düsseldörfchens“ haben deshalb schon vor Beginn des Ferienlagers einen Vorrat an Paletten auf Lager. Die werden auf die Wege gelegt, die erfahrungsgemäß als erstes matschig werden — die übrigen dann dorthin, wo akuter Bedarf entsteht. Außerdem setzen die Macher vom Kulturverein Akki auf Rasengitter, damit die Teilnehmer trockenen Fußes zwischen den beiden Hauptzelten und den 20 Werkstätten unterwegs sind.

Nach dem Regen mit dem Regen spielen. Wenn die Kinder die Zelte nach einem Schauer wieder verlassen, steht der nächste Programmpunkt schon fest: kreativer Umgang mit dem Wasser. Wo immer dann die Rinnsale fließen, können die Kinder mit Holzresten Boote, Brücken oder Staudämme bauen und spielen. Oder von Palette zu Palette springen.

wz.de/regenzeit