WZ-Sommerserie: Ein schöner Tag in der Apfelstadt Tönisvorst

WZ-Sommerserie : Ein schöner Tag in der Apfelstadt Tönisvorst

Tönisvorst trägt den Beinamen Apfelstadt. Der Apfel hat Logo-Kraft und ist in vielfältiger Weise gastronomisches Programm. So auch für eine mehrstündige Radtour und ihre kulinarischen Etappenziele.

. Das Rührei kommt aus der Küche. Pfannenwarm. Es krönt unser Frühstück am Tisch: Lachs an Meerrettich. Schinken und Käse. Brötchen und Mandelbrot. Wie gut, dass wir den Beginn dieser Tagestour durch die Tönisvorster Stadtteile und Honschaften auf das benachbarte Süchteln verlegt haben. Von dort sind es etwa zehn Kilometer Anfahrt, die sogenannte Schlufftrasse entlang, bis zum Café „eigenwillig“. Hier startet um 10 Uhr die gebuchte Apfelstadt-Schlemmer-Tour. Ein Name, der trifft wie einst Wilhelm Tell.

Die Stärkung mit Kaffee gewährt Einsichten in den denkmalgeschützten Wasserturm von St. Tönis. Der 46 Meter hohe, achtstöckige Backstein-Bau anno 1928 ist als Wasserspeicher außer Dienst. Er beherbergt seit einigen Jahren diesen gastronomischen Treffpunkt. Massenabfertigung ist im Turm nicht drin. So viele Tische gibt es gar nicht. Wer reserviert, geht auf Nummer sicher. Auch heute ist kein Platz unbesetzt. Als der Briefträger die Post zur Theke bringt, grüßt er freundlich. 16 Frauen grüßen zurück. Und schlemmen weiter.

Unterwegs auf der früheren Strecke der Dampflok „Schluff“

Um 11.30 Uhr empfiehlt sich das Zahlen. Abfahrt! Fest im Sattel auf die Strecke. Die ersten Meter des 27 Kilometer langen Rundkurses von S wie Schlemmerfrühstück bis A wie Apfelcidre rollen wir wieder über die Schluff-Strecke. Auf diesem Teilabschnitt durch St. Tönis schnauft schon lange keine Dampflok mehr. Unsere Räder rollen über glatten Asphalt, nicht über Gleise. Schon wenige Minuten später lassen wir die bebaute Stadt hinter uns und radeln durch Felder, Wiesen und Weiden.

Vorbei am mittelalterlichen Adelssitz Gelleshof

Im weiten Bogen durch Kehn geht es Vorst entgegen, dem kleineren der beiden Tönisvorster Stadtteile. Vorbei an dem mittelalterlichen Adelssitz Gelleshof, der zu den ältesten Höfen im Kehn gezählt wird. Das typische Aussehen eines Rittergutes hat er allerdings verloren.

Einige Kilometer weiter passieren wir die Toreinfahrt zu Haus Donk, einem weiteren der insgesamt fünf Herrenhäuser in Vorst. Das schöne Rittergut liegt abgeschirmt im Grünen. Nur Dach und Turmspitze sind deutlich sichtbar.

Immer wieder geben Hinweisschilder an Kreuzungen die Richtung vor. Der in der Ferne aufragende Kirchturm der Vorster Pfarrkirche St. Godehard ist ebenfalls ein guter Wegweiser. 100 Meter von ihm entfernt liegt Schlemmer-Etappenpunkt zwei.

Doch vor der nächsten Getränkebestellung führt die Feld-Wald- und Wiesen-Strecke an Höfen und Bauerngärten, Pferdekoppeln und Einfamilienhaus-Vorgärten vorbei. Zu gucken gibt’s genug. Wer sich zum Mittagessen gegen 13.15 Uhr angemeldet hat, hat Zeit für Foto-Pausen und Selfie-Stops am Wegesrand.

Das Haus Neersdonk empfiehlt sich für einen Eier-Kauf

Das ist ein Muss am gepflegten Haus Neersdonk, der schneeweißen Sehenswürdigkeit. Das Herrenhaus unweit des Gotthardusweges mit seinen Kreuzwegstationen stammt aus dem 17. Jahrhundert. Es ist bewohnt und wird bewirtschaftet. Wer abfedernde Satteltaschen hat, könnte den Kauf tagesfrisch gelegter Eier mit Neersdonk-Stempel am Automaten riskieren.

„Himmelsgucker“ warten entlang der Strecke. Genauer gesagt an einem Aussichtspunkt, für den man sich unbedingt einige Minuten Zeit nehmen sollte. Es handelt sich dabei um geschwungene Liegebänke, die zur Himmelsschau und in aufrechter Sitzposition zu einem Blick über den See am Kiesausgrabungspunkt Graverdyk einladen.

Die renaturierte Fläche des Abbaugeländes hinterlässt Eindruck. Durch Flora und Fauna. Hier allerdings auf ein Magenknurren als Signal zur Weiterfahrt zu warten, ist indes aussichtslos. Aber vielleicht mobilisiert der Appetit auf Apfel. Wir setzen den Weg fort.

Die Strecken-Halbzeit liegt längst hinter uns. Die nächste Rast ruft. Im einladenden Kulturcafé Papperlapapp mitten in Vorst muss man sich entscheiden: drinnen oder draußen? Beides hat seinen Reiz. Die gemütliche Stube mit Blick auf die Limetten-Torte in der Vitrine? Oder doch der Innenhof? Bei schönem Wetter bekommt er zweifellos den Zuschlag.

Hauseigene Limonaden erfrischen im Café Papperlapapp

Wir probieren eine der hauseigenen Limonadensorten mit Wassermelone. Wie Sommer auf der Zunge. Da wird bereits der Mittagsimbiss serviert: Kartoffelsalat mit Gurken, Apfelstückchen, Ei und Zwiebeln, dazu eine gebratene Hähnchenbrust und ein Beilagensalat mit delikatem Dressing, dem der Apfelsaft die Tönisvorster Note gibt. Schlemmen unterm Sonnenschirm, abgeschirmt vom Alltag – die Ruhe des Hofes ist eine Wohltat. Geradezu entschleunigend genussvoll.

Das Aufsitzen nach Rast Nummer zwei fällt bereits deutlich schwerer als beim Start am Morgen. Die Papperlapapp-Portionen sind so reichlich, dass wir uns die Fortsetzung des Schlemmens überhaupt erst am Abend vorstellen können. Doch die nächste und letzte Genuss-Station hat der Veranstalter tatsächlich zur besten Kaffee- und Kuchen-Zeit eingeplant.

Die Radelstrecke dorthin führt mitten durch die Huverheide, das Obstanbaugebiet von Tönisvorst. Längst wachsen hier nicht mehr nur Äpfel, die der Stadt „typisch Tönisvorst“ den Beinamen gaben. Wir radeln auf den Wegen durch die Plantagen, vorbei an Kirsch-, Birnen- und Aprikosenbäumen, an Feldern mit hochgebundenen Beerenzweigen und Wildblumen am Wegesrand. Die Erdbeerfelder duften noch. Und irgendwie stellt sich schon wieder Appetit ein.

Kaffee, Kuchen und Apfelcidre
auf dem Hof von Rudolf Steves

Da kommt der Stopp im St. Töniser Obsthof von Rudolf Steves gerade recht. Kaffee? Ein Stück Kuchen? Dazu ein Glas Apfelcidre? Zweimal sagen wir nicht nein. Unsere Kuchenstücke werden aber eingepackt und später im Fahrradkorb mit nach Hause genommen.

Im täglich geöffneten Obsthof kann man drinnen oder draußen Platz nehmen. Wenn das Wetter stimmt, ist der mit Blumen dekorierte Innenhof ein Platz an der Sonne. Wir sind uns einig: Hier will man sitzen bleiben, bis der Hofladen schließt. Warum auch nicht?

Wer die Tour, wie von der Stadt Tönisvorst als Veranstalter vorgeschlagen, als Auswärtiger im Ort beginnt, schlemmt gerade nur wenige hundert Meter von dem am Morgen geparkten Wagen entfernt. Und wer sich auf Süchteln als Start und Zielpunkt eingelassen hat und damit den 27 Tour-Kilometern weitere 20 draufsattelt, den zwickt das ausgepackte Schlemmerpaket bald nicht mehr.

Nach einem Abendessen verlangt nach diesem Tag in der Apfelstadt aber niemand mehr. Wir jedenfalls nicht.

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