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St. Tönis: „Hier gibt es alles“

St. Tönis: „Hier gibt es alles“

Kaum Leerstände, guter Branchenmix und eine hohe Kaufkraft — das sind Merkmale des größeren Stadtteils.

St. Tönis. Der Mann kennt sich aus — und ist gleichzeitig bekannt wie der sprichwörtliche bunte Hund: Uli Weckauf. Zwölf Jahre lang führte der St. Töniser Händler den örtlichen Werbering. Nachdem er den Vorsitz abgegeben hatte, wechselte er in den Einzelhandelsverband. Wie kauft es sich in der Stadt? Wie ist die Situation mit den Parkplätzen? Kriege ich hier alles? Im Gespräch mit der Westdeutschen Zeitung machte sich Uli Weckauf an eine Bestandsaufnahme für St. Tönis.

„Hier gibt’s alles!“ So beginnt das St. Töniser Urgestein das Gespräch. Und lässt keinen Zweifel: Dieses Umfeld ist lebenswert, hat fraglos Ambiente. „Schauen Sie sich doch um, wir haben so gut wie keine Leerstände“, erklärt Weckauf. Der Branchenmix stimme, es gebe nur wenig Artikel, die nicht zu bekommen seien.

Vor allem einen Faktor macht der Experte dafür verantwortlich, dass die Innenstadt eine hohe Käufer-Frequenz habe: den neuen Rewe-Laden auf der alten Parkpalette. „Das zieht die Menschen nach hier. Ein Volltreffer.“ Weckauf bekommt sich vor Begeisterung kaum ein. Und betont: „Es ist unglaublich wichtig, dass es im Ortskern eine Lebensmittelversorgung gibt, auch und gerade für ältere Menschen.

Der 57-Jährige konkretisiert seinen Eingangssatz: Glühbirne, Farbe, Urlaubs-Reisen, Elektro-Artikel bis hin zur Bekleidung — da müsse niemand nach außerhalb fahren. Gleichzeitig macht er auf das geänderte Käuferverhalten aufmerksam: Die benachbarte Großstadt Krefeld zieht bei weitem nicht mehr so viel Kaufkraft ab, wie noch vor 20 Jahren. „Wenn Kunden nach außerhalb fahren, dann gleich nach Düsseldorf, Duisburg oder Oberhausen.

Klar, auch in St. Tönis haben sich die Dinge geändert. In den 70er Jahren gab’s noch 20 Metzger und zehn Bäcker — heute hält sich diese Zahl in engen Grenzen — was aber die Versorgung mit Brötchen und Brot nicht gefährdet. Kritisch steht Weckauf mitunter der Stadt gegenüber: „Die müsste mehr fürs Image tun. Hier sind der Werbering und die Vereine deutlich besser aufgestellt.“

Dabei fällt nicht alles in Ungnade, was die Stadt macht. Ausdrücklich gelobt wird die Parkscheiben-Regelung in der gesamten Innenstadt. „Das zieht jede Menge Kunden von außerhalb an“, sagt Weckauf und verweist auf viele Käufer zum Beispiel aus Forstwald. Gleichzeitig warnt der Experte vor Gedankenspielen, Parkgebühren zu erheben: „Das, was die Stadt derzeit an Parkgebühren nicht einnimmt, kommt ja als Gewerbesteuer herein.“

Ein Problem gibt’s bei der Kneipen-Struktur: Das klassische Bier-Lokal ist tot, mausetot. „Ohne Essen und/oder Kegelbahn ist eine Gaststätte nicht überlebensfähig.“ Dabei sei die Situation in der Fußgängerzone okay, an der Peripherie sei es schwierig. Noch in den 50er Jahren hatte es in einem deutlich kleineren St. Tönis über 50 Kneipen gegeben. Was sich dagegen entwickelt hat: Die Kaufkraft ist hoch.

Was ist mit dem politischen Sündenfall „Real“? Bekanntlich hatte die Stadt das Areal in den 60er Jahren als Sondergebiet ausgewiesen, so dass dort ein großes Einkaufszentrum auf der Grünen Wiese entstehen konnte. „Das spielt für die St. Töniser keine große Rolle. Real zieht eher Kunden aus einem Umkreis von 30 Kilometern“, glaubt Weckauf. Zugleich denke er, dass man mit diesem Zentrum gar nicht so schlecht da stehe.

Das sieht Stefan Robben, Vorsitzender des Werberings, ganz ähnlich: „Da haben sich viele Befürchtungen nicht bewahrheitet.“ Robben hat noch Wünsche, was den Ortskern angeht: „Wir haben nur eine Parfümerie. Außerdem kann man bei uns keine Herrenschuhe kaufen.“ Ira Ingenpaß, Fotografin und schon lange Mitglied im Werbering, vermisst ein Sportgeschäft in der Innenstadt.