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Segelflug: Harter Ritt unter den Wolken

Segelflug: Harter Ritt unter den Wolken

In der Praxis ist das vermeintlich schwerelose Gleiten eine ruppige Angelegenheit mit faszinierenden Ausblicken.

Langenfeld. Was aus der Ferne wie sanftes Gleiten aussah, stellt sich als Ritt über ganz schön harte Luftschichten heraus. Gerade noch schnell aufwärts, der Sitz drückt gegen die menschliche Sitzfläche — dann ein Ruck abwärts, der den Magen hüpfen lässt.

Die Tour gleicht einer Fahrt in einem Aufzug mit Schluckauf. In 280 Metern Höhe über Wiescheid, einem Stadtteil von Langenfeld, kreisen fünf Flieger der Luftsportgruppe Erbslöh, nutzen die Wärme der Frühlingssonne für einen Ausflug ins Reich der Vögel.

„Nichts anfassen, was einen farbigen Griff hat!“, lautet die klare Anweisung für den Passagier auf dem hinteren Sitz der schmalen Kabine. Steuerknüppel, Stangen und Seilzüge machen es schwer, einen Platz für die Knie zu finden. Der Segelgleiter ist außerdem ein Fortbewegungsmittel, in dem der Passagier vor dem Einsteigen einen Fallschirm anzieht — was die Sache nicht bequemer macht.

Der Start durch die Kraft der Sekunden ist nach wenigen Sekunden Geschichte. „Sieh über die Tragfläche, das ist am beeindruckendsten“, ruft Fluglehrer Joël Wagner vom vorderen Sitz über die Schulter. Bäume rauschen beunruhigend nahe an der weißen Kunststoffhaut vorbei.

In der Höhe fällt die Orientierung nicht leicht. Solingen ist zu erkennen, das breite Band der Autobahn A3. Die Luft ist klar, kein Wölkchen trübt die Sicht. In bis zu 60 Kilometer Entfernung erstrecken sich Städte entlang des Horizonts. Nur das dröhnende Windgeräusch gibt einen Eindruck von Geschwindigkeit. Ein Messgerät zeigt Tempo 80.

Das sei typisch beim Kreisen, wenn der Flieger sich auf warmer Luft in die Höhe schraubt, sagt Wagner. „Beim Geradeausflug sind wir schneller“, fügt der Fluglehrer hinzu, drückt einen Hebel nach vorn. Die Nase des Fluggeräts senkt sich, der Wind tönt lauter und heller. Nur einen Moment später sind 160 km/h erreicht.

„Beim Fliegen ist alles andere weg“, sagt August Kuhl von der Luftsportgruppe Kesselsweier. Wenn er in den Flieger steige, sich auf Luftströmungen und die empfindliche Technik des Flugzeugs einstelle, sei kein Platz mehr für Alltägliches. Die volle Konzentration werde gefordert. „Man kann nicht einfach anhalten und überlegen. Man muss vorausdenken“, bestätigt Pilot Christian Ludloff.

Ralf Jacobs ist immer wieder überrascht, wie grün die Gegend von oben erscheint: „Dabei ist das hier sehr dicht besiedelt“, sagt der Fluglehrer aus Hilden. Er mag Begegnungen in der Höhe: „Letzte Woche sind wir um einen Heißluftballon gekreist“, sagt der 43-Jährige.

Ludloff berichtet von einem Flug zusammen mit einer Gruppe Wildgänse: „Die kreisen manchmal mit, um Höhe zu gewinnen und Kraft zu sparen“, sagt der Techniker aus Haan. Für ihn mache das Naturerlebnis den Reiz am Fliegen aus: „So kann man erleben, was die Viecher machen.“

Nach sieben Minuten im Doppelsitzer lenkt Wagner den Flieger wieder zum Platz zurück. Schräg lenkt er das Flugzeug auf die Landewiese zu, nutzt den Luftwiderstand des Rumpfes zum Bremsen. Während der Passagier sich stark zitternd aus dem Sitz stemmt, strahlt der Fluglehrer: „Ich merke das Auf und Ab schon lange nicht mehr.“