World of Warcraft: Ein Krefelder Held in der virtuellen Welt

World of Warcraft: Ein Krefelder Held in der virtuellen Welt

Marc Berbig spielt sehr erfolgreich „World of Warcraft“. Früher war er süchtig nach dem Rollenspiel.

Krefeld. Arpexia ist eine auffällige Erscheinung: Die grüne Ork-Frau trägt eine punkige Kurzhaarfrisur, eine schicke Rüstung und ein riesengroßes Schwert. Gemeinsam mit ihren ständigen Begleitern, einem weißen Säbelzahntiger und einer Schildkröte, streift die Jägerin seit vielen Jahren durch die riesengroße Online-Welt von „World of Warcraft“ (WoW) — oft auf einem Phoenix, einem glühenden Reittier. Im Rollenspiel ist sie mittlerweile eine große Berühmtheit, verehrt für ihre Kampfkunst.

Hinter Arpexia verbirgt sich der Krefelder Marc Berbig. „Ich spiele dieses Spiel bereits von Anfang an“, sagt der 21-Jährige. Sein bisheriger Clan „Affenjungs INC“ gehörte zu den Top-Gilden in Deutschland. Der ist jetzt mit einer anderen großen Gilde namens „For the Horde“ fusioniert. „Wir wollen hierzulande die Nummer eins werden und auch international in den Top zehn mitwirken“, berichtet Berbig.

Für alle WoW-Laien: Eine Gilde ist ein Zusammenschluss von Spielern, die gemeinsam verschiedene Aufgaben in der Online-Welt lösen. „Die Spieler einer Gilde verabreden sich im Internet und besuchen Schlachtzüge“, erklärt Marc Berbig. „Denn um zum Beispiel einen großen Gegner zu besiegen, müssen mindestens zehn bis 25 Spieler an dem Kampf teilnehmen.“

Ist eine Gilde besonders erfolgreich, spielt sie in einer hohen Liga und wird dementsprechend mit Ruhm überhäuft. Auch die einzelnen Charaktere profitieren, indem sie nach einem Sieg hochgestuft — also besser ausgestattet — werden. „Richtig gute Spieler sind bei WoW sehr begehrt. Sie bekommen ähnlich wie im Fußball attraktive Ablöseangebote von anderen Gilden“, sagt der junge Experte.

Seine Bekanntheit hat Berbig aber nicht nur seinen spielerischen Fähigkeiten zu verdanken, sondern auch seiner Rolle als selbst ernannter „Erklärbär“. Regelmäßig verfasst er Anleitungen für das Rollenspiel, bewertet Aktualisierungen und hilft Anfängern beim Start. Seine treue Fangemeinde beläuft sich auf rund 10 000 Spieler, eins seiner „Standardwerke“ wurde rund 240 000 Mal angeklickt. „Mich haben auch schon diverse Prominente angeschrieben, die selber ,World of Warcraft’ spielen und Rat brauchten.“

Mehrmals wurde ihm auch schon angeboten, seine bis an die Zähne bewaffnete und mit zahlreichen Fähigkeiten ausgestattete Arpexia zu verkaufen. „Das höchste Angebot kam von einem Banker. Er wollte mir 7200 Euro zahlen.“ Denn einen Charakter aufzubauen, kostet vor allem eins: Zeit. Und das ist auch eine Gefahr von WoW.

Nicht selten verlieren sich Spieler in der virtuellen Welt und werden süchtig. Auch Berbig hat diese Schattenseite kennengelernt. „WoW ist ein Spiel für Sammler“, erklärt er. „Man hat unendlich viele Möglichkeiten, seine Zeit in der Online-Welt zu verbringen und seine Figur weiterzuentwickeln.“ Mit 19 Jahren packte den Krefelder ein krankhafter Ehrgeiz. Damals spielte er noch in einer unbekannten Gilde und wollte höher hinaus. „Ich war mit der Schule fertig, sollte eigentlich Bewerbungen schreiben, habe aber täglich von morgens bis abends am PC gesessen“, sagt Berbig, der mittlerweile eine Ausbildung zum Bürokaufmann macht. „An diese Zeit denke ich nur ungern zurück, denn ich habe das Gefühl, dass ich sie vertrödelt habe.“ Die Eltern waren besorgt, für Freunde und gesundes Essen war keine Zeit.

Die Wende kam erst, als sich seine alte Gilde „Phoenix“ auflöste. „Ich habe das als Befreiung erlebt, denn ich war körperlich völlig am Ende“, erinnert er sich. „Aber alleine wäre ich nicht gegangen, denn ich habe mich den anderen aus meiner Gruppe sehr verpflichtet und verbunden gefühlt. Trotzdem kann ich jeden nur warnen, so exzessiv zu spielen wie ich früher. Das ist es nicht wert.“

Und so startete er die „Operation Entgiftung“: Einen Monat lang spielte er gar nicht, heute setzt er sich klare Zeit- und Aufgabenlimits im Spiel. „Ich habe entdeckt, dass andere Dinge auch sehr viel Spaß machen: Ausgehen und Fußballgucken zum Beispiel — vor allem, wenn man wie ich Fan von Borussia Dortmund ist.“

Mehr von Westdeutsche Zeitung