Wissen für Krefeld: Krefeld vor dem rettenden Ufer

Wissen für Krefeld: Krefeld vor dem rettenden Ufer

Professor Harald Schoelen spricht bei der WZ über die Haushaltslage der Stadt.

Krefeld. Das Eigenkapital der Stadt befindet sich im freien Fall, allein von 2010 bis 2013 häuft Krefeld Defizite von 160 Millionen Euro an: „Das ist alles nicht so toll“, sagt Professor Harald Schoelen. Und dennoch traut der Wirtschaftswissenschaftler der Hochschule Niederrhein der Stadt zu, sich aus eigener Kraft auf dem Schuldensumpf zu retten.

Schoelen sprach am Donnerstagabend im Rahmen der Reihe „Wissen für Krefeld“ im WZ-Pressehaus über die Kommunalfinanzen mit Fokus auf die Stadt Krefeld. Denn trotz der beunruhigenden Zahlen steht sie besser da als viele andere Städte. In ganz NRW haben nur zehn von 430 Kommunen einen echten ausgeglichenen Haushalt.

Und am Niederrhein ist Krefeld die einzige Stadt, die nach derzeitigem Stand den Haushaltsausgleich bis 2014 schaffen wird. Jüchen und Moers brauchen dafür sechs Jahre länger, die meisten anderen stehen kurz vor der Überschuldung.

Um 2014 Einnahmen und Ausgaben der Stadt wieder ausgleichen zu können, müsse Krefeld einen strikten Sparkurs fahren und auch die Daumenschrauben bei den Einnahmen ansetzen, ist Schoelen überzeugt. Denn Risiken, die die Stadt zum Teil gar nicht beeinflussen kann, gibt es reichlich. Als Beispiele nannte Schoelen die steigenden Aufwendungen im Sozialbereich, die schwankenden Einnahmen aus der Gewerbesteuer und die Tarifverhandlungen im öffentlichen Dienst, die im städtischen Etat gleich mit Millionenbeträgen zu Buche schlagen.

Aber auch die Nachbarstadt Mönchengladbach könnte Sorgen bereiten — dann, wenn sie das Gemeinschaftstheater nicht mehr mittragen kann oder darf. Denn dort ist die Haushaltslage noch wesentlich dramatischer. Krefeld müsse sich die freiwilligen Leistungen — auch im Kulturbereich — sehr genau ansehen, dürfe angesichts des demographischen Wandels auch vor Schulschließungen nicht zurückschrecken, forderte der Professor.

Weniger begeistert ist Schoelen hingegen vom Verkauf städtischen Vermögens, da dies das Eigenkaptital noch mehr schwäche. Zudem brächten die Stadttöchter gute Einnahmen. Deshalb warnte er auch davor, die Eigenbetriebe zu sehr zu belasten: „Sie müssen einen Beitrag leisten, aber sie brauchen auch noch Luft zum wirtschaftlichen Handeln.“

Schoelens Fazit: „Das rettende Ufer ist in greifbarer Nähe. Jetzt kommt es darauf an, weiter zu rudern, sprich zu sparen. Nur so ist eine generationengerechte Finanzpolitik zu erreichen.“

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