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Vor zehn Jahren: Alle wollten den neuen Euro

Vor zehn Jahren: Alle wollten den neuen Euro

Vor zehn Jahren wurde die neue Währung eingeführt. An den Kassen der Kreditinstitute gab es damals lange Schlangen.

Krefeld. Die D-Mark ist noch nicht tot. Etwa zweimal pro Woche, sagt Margarete Minten, Leiterin der Tresorkasse der Sparkasse Krefeld, kommen Kunden mit alten D-Mark-Beständen. „Häufig haben sie einige tausend Mark dabei, die sie im Sparstrumpf oder unter dem Kopfkissen verstorbener Angehöriger gefunden haben“, sagt Minten. Das Geld wird dann dem Konto gutgeschrieben, sagt sie. Zu einem Umrechnungskurs von 1,95583 DM für einen Euro.

Dabei gibt es die D-Mark offiziell nicht mehr. Vor zehn Jahren wurde der Euro eingeführt. Damals bildeten sich lange Schlangen an den Geschäftsstellen, erinnert sich der Sprecher der Sparkasse Krefeld, Peter Bauland. Alle wollten die neue Währung.

Zehn Jahre später ist die Euphorie verflogen. Häufig ertönt der Ruf nach der „guten alten D-Mark“. Doch die hat heute nur noch als Papiergeld Wert, Münzgeld, also Markstücke und Pfennige, nimmt beispielsweise die Tresorkasse der Sparkasse nicht mehr entgegen. Wer seine Münzen dennoch in Euro umwandeln möchte, muss sich direkt an die Deutsche Bundesbank wenden.

Doch die große Mehrheit der Menschen wollte vor zehn Jahren schnell ihre D-Mark loswerden. Schon am 17. Dezember 2001 hatte es Schlangen in den Geschäftsstellen der Banken und Sparkassen gegeben. Damals wurden die ersten „Starter-Kits“ ausgegeben. Für 20 Mark gaben die Kreditinstitute 20 Euro-Münzen im Wert von 10,23 Euro aus; das Geld war in Plastiktütchen eingeschweißt. Allein die Sparkasse Krefeld hatte 68 000 solcher „Starter-Kits“.

Schon seit September hatten die Banken Firmen mit dem neuen Geld versorgt. Die hatten Noten-Mischungen im Wert von jeweils 800 Euro erhalten.

In der Silvesternacht gab es dann den ganz großen Ansturm auf die Geldautomaten. Es war E-Day, Euro-Tag. Während in anderen Silvesterjahren neuer Sekt geköpft wurde, wurde nun neues Geld geholt. Allein in der ersten Stunde des Jahres 2002 wurden bei der Sparkasse Krefeld 1000 Transaktionen registriert; 4,5 Millionen Euro wurden am ersten Tag an den rund 80 Geldautomaten in Krefeld und dem Kreis Viersen abgehoben.

Der Andrang hielt in den Geschäftsstellen an. „Die Planungen waren davon ausgegangen, dass 80 Prozent der Kunden in den ersten beiden Wochen zur Sparkasse kommen würden“, sagt Bauland. „Niemann konnte damit rechnen, dass alle am ersten Tag erscheinen.“ Am Ende des ersten Euro-Tages hatten die Sparkassen-Kassierer 45 Millionen Euro ausgegeben.

Und was passierte mit der alten Währung? In einer Kampagne mit Günter Jauch hatte die Bundesbank den Begriff der „Schlafmünzen“ geprägt. Sie sollten eingesammelt und an die Bundesbank zurückgegeben werden. Tonnenweise landete das alte Geld bei der Sparkasse. „Wir mussten große Lastwagen einsetzen, da die normalen Geldtransporter die Mengen nicht mehr bewältigen konnten“, erinnert sich Bauland.

Höhepunkt sei der letzte Banktag vor Weihnachten gewesen. An diesem Freitag hatten die Mitarbeiter der Tresorkasse zehn Tonnen Hartgeld verarbeitet. Allein an diesem Tag waren an einem der drei Münzzählautomaten in der Sparkasse am Krefelder Ostwall 109 000 Groschen durch das Zählwerk gerasselt. Gerechnet hatte die Sparkasse mit einem D-Mark-Rücklauf von 160 Tonnen. Am Ende wurden es über 400 Tonnen Mark- und Pfennigstücke.