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Til Schweiger spendet für Krefelder Ehepaar

Til Schweiger spendet für Krefelder Ehepaar

Seit dem Film „Honig im Kopf“ ist die Erkrankung in aller Munde. Angehörige erzählen.

Krefeld. Über fünf Millionen Menschen haben die Tragikkomödie „Honig im Kopf“ mit Til Schweiger und Dieter Hallervorden im Kino gesehen. Das Thema „Alzheimer-Demenz“ ist in aller Munde. „Das ist gut so“, sagt Ursula Rathai. Ihr Mann Karl Friedrich ist seit 2006 daran erkrankt. Doch erst vier Jahre später wird die Diagnose medizinisch bestätigt.

Seitdem wird ihr Mann in der Caritas-Tagespflege Heilig Geist betreut — und ist aufgeblüht. Wie auch Ursula Rathai, die nun endlich den Grund für die einschneidende Veränderung ihres Mannes kennt. Das tut sie lauthals kund — und beeindruckte damit auch Til Schweiger in einer Talk-Runde.

In der ARD—Sendung „hart aber fair“ Anfang Februar erzählte sie vor großem Publikum als Angehörige über die Krankheit, das neue gemeinsame Leben und die Hilfe, die sie anderen Betroffenen empfiehlt, anzunehmen. Vieles, was sie über Demenz weiß, hat sie sich selber angelesen — und dann die passende Unterstützung gesucht. „Dass wir heute so gut mit der Erkrankung zurande kommen, liegt daran, dass wir die Hilfen angenommen haben“, erzählt Rathai. Dazu zählt die Caritas-Tagespflege.

„Die komplette Gefühlswelt ist noch vorhanden bei Demenz, darüber sprechen wir unsere Gäste an und erreichen sie“, sagen Pflegeleiterin Petra Kluthausen und Leiterin Veronika Aymanns. Sogar etwas Neues zu erlernen, sei noch möglich. Ursula Rathai hat das bei ihrem Mann erlebt. Vor seiner Krankheit habe er sich nie Namen merken können, inzwischen habe er ein gutes Namensgedächtnis bei Mitarbeitern, Praktikanten und Absolventen des Freiwilligen Sozialen Jahres. „Er hilft sogar uns auf die Sprünge“, sagt Veronika Aymanns lachend.

Dass der tägliche Besuch auch ihrer Mutter beziehungsweise ihrer hochbetagten Tante gutgetan hat, bestätigen Andreas Hahnau und Monika Scholz als Angehörige weiterer Besucher. Sie alle werden durch das Team unterstützt, die Krankheit eines Familienangehörigen anzunehmen, ohne sich aufzureiben und selber zu kurz zu kommen. Kleine Fluchten vom Alltag nennt das Petra Kluthausen. Ursula Rathai gönnt sich die inzwischen, ganz ohne schlechtes Gewissen. Und bei manchen macht ihr Mann sogar mit, wie zum Beispiel beim Improvisationstheater „Da Sein“ im Werkhaus. „Da ist er einer der Besten“, schwärmt die 76-Jährige.

Im Frühjahr wollen die beiden verreisen. Til Schweiger hatte nach der Talk-Runde ihnen spontan 10 000 Euro dafür geschenkt. Einen Teil hat Ursula Rathai an andere Betroffenen weitergegeben.