Tanz und Vergnügen verboten

Tanz und Vergnügen verboten

Der stille Feiertag vor Ostern ist gesetzlich geschützt. Doch ernste Musik und die tragische Oper „Rienzi“ sind erlaubt.

Krefeld. Ein Freitag im Jahr ist als „stiller Feiertag“ gesetzlich geschützt. Der Karfreitag hebt den ernsten Charakter der Karwoche hervor, denn an diesem Tag gedenken die Christen des Todes Jesu Christi. Wer am verlängerten Osterwochenende also seiner Partylaune freien Lauf lassen möchte, muss sich mit dem Disco-Besuch bis Samstag gedulden. Karfreitag ist Tanzen nicht erlaubt.

Und das ist nur eins von vielen Verboten. Die Krefelder müssen auch auf Musik in Kneipen, sportliche Events, Zirkus, Volksfeste, Theater, Puppenspiel, Märkte und gewerbliche Ausstellungen verzichten. Kurz: Das NRW-Feiertagsgesetz schließt aus, was der Unterhaltung dient, angenehmen Zeitvertreib und Geselligkeit verspricht. Ein ernster Tag erlaubt keine Vergnügungen.

„Christus ist für uns gestorben“, sagt Lothar Zimmermann. Es sei daher richtig, „dass Karfreitag ein ruhiger Tag ist, ein Tag der Besinnung. Unser Leben besteht nicht nur aus Vergnügen“, sagt der Vorsitzende des Krefelder Katholikenrates.

Auch für Bettina Furchheim muss nicht an jedem Tag „Remmidemmi“ sein. „Es ist unser höchster Feiertag“, gibt die Sprecherin des evangelischen Kirchenkreises zu Bedenken. Es sei in Ordnung, „an Karfreitag stillzuhalten und sich zu besinnen, was unsere christlichen Grundlagen sind“.

Zurzeit finden in Krefeld die 8. Internationalen Klavier-Meisterkurse statt. Am Karfreitag geben die Nachwuchspianisten ihr Abschlusskonzert. Ernste Musik sei kein Problem, heißt es seitens des Veranstalters Kawai. „Karfreitag war in all den Jahren noch nie ein Thema“, bestätigt auch Musikschulleiter Ralph Schürmanns. Zudem passe die ernste Darbietung zum Wesen des Feiertages.

Ebenfalls passend ist die Wagner-Oper „Rienzi“, die Karfreitag auf dem Programmplan des Krefelder Theaters steht. „Wir zeigen schließlich kein Unterhaltungstheater, sondern eine tragische Oper“, betont Intendant Michael Grosse.

Die Königsburg öffnet ihre Türen erst am Samstag für das Partyvolk. „Wir nutzen den Karfreitag für eine kleine Feier“, erzählt Eventmanagerin Steffi Thomas. Da die Mitarbeiter keine Weihnachtsfeier hatten, geht das Team am Karfreitag Pizza essen.

„Wir halten uns immer strikt an das Verbot“, sagt auch Sandra Claußing von der Kulturfabrik. Bereits am Gründonnerstag finden keine Veranstaltungen statt.

Kompromisse gibt es am Ostwall: Wo sonst das Motto der Party-Reihe im Bosi-Club „Thank God it’s Friday“ lautet, ist die Ankündigung für den 29. März schlicht „It’s open“.

Auch aus sportlicher Sicht ist der Karfreitag keine Option. Obwohl die Fußballvereine wegen der Witterung mit Terminproblemen zu kämpfen haben, war Karfreitag als möglicher Ausweichtermin nie im Gespräch. „Das steht sogar in der Spielordnung“, erklärt Rainer Lehmann, Geschäftsführer des Fußballverbandes Niederrhein. „Karfreitag und am ersten Weihnachtstag darf kein Spiel angesetzt werden.“

In den Kinos läuft zwar das normale Programm uneingeschränkt weiter und auch die Fernsehsender überbieten sich gegenseitig mit Action, Western und Komödien. Doch in der Samt- und Seidenstadt sind Probleme mit dem Schutz des Karfreitags kein nennenswertes Thema. So habe der Fachbereich Ordnung nach Angaben der Stadt in der Vergangenheit kaum schlechte Erfahrungen gemacht. Vielmehr seien die Veranstalter in der Regel bereits im Vorfeld bemüht, zu klären, ob ihr Ereignis auch dem Feiertag gerecht wird.

Mehr von Westdeutsche Zeitung