Helga Nauck: Sie spielte bei den Grand Slams

Helga Nauck: Sie spielte bei den Grand Slams

Helga Nauck vom Crefelder HTC schlug einst bei den großen Turnieren auf. 2017 glänzt sie mit WM-Medaillen.

Eigentlich wollte Helga Nauck im Sommer 2016 „nur mal wieder ein bisschen ins Turniertennis hineinschnuppern“. Das hat geklappt. Das „Schnuppern“ krönte die 56-Jährige im vergangenen Herbst mit dem Gewinn der Weltmeisterschaft in ihrer Altersklasse. Mit dem deutschen Team wurde sie kurz zuvor Vize-Weltmeisterin. „Der schöne Nebeneffekt neben dem Titelgewinn ist, dass ich Glückwünsche aus Hamburg bekam. Tennisfreundinnen, von denen ich 30 Jahre nichts mehr gehört habe, meldeten sich“, sagt sie mit einem Lachen. Davon abgesehen bereiteten ihr die Vereinsmitglieder ihres Heimatvereins, dem CHTC, einen furiosen Empfang nach der Landung aus dem WM-Austragungsort Florida.

Der tolle Erfolg besagt: Tennisspielen verlernt man ebenso wenig wie Radfahren. Nauck spielte schon als junges Mädchen auf Weltklasse-Niveau. Insidern ist sie besser unter ihrem Mädchennamen Lütten bekannt. So erreichte sie 1979 in der Juniorinnen-Weltrangliste Platz fünf. Im gleichen Jahr führte die WTA-Weltrangliste sie auf Platz 126. Mit dem Tennis startete Nauck in ihrer Geburtsstadt Hamburg. Gemeinsam mit den Eltern und Brüdern spielte sie im Club an der Alster. „Ich habe ganz viel gemacht“, erzählt sie: „Hockey, Schwimmen, Ballett und eben Tennis“.

Mit 15 Jahren entschied sie sich für den „weißen Sport“. Schnell war die junge Spielerin in der deutschen Talentförderung. Mit 17 Jahren nominierte sie der Deutsche Tennisbund für das erste internationale Jugendturnier in Rom. Dann folgte die Teilnahme an den Grand-Slam-Turnieren in der Jugendkonkurrenz in Paris, Wimbledon und New York. Nach dem Abitur hat sie zwei Jahre die Profilaufbahn eingeschlagen. „Über kleinere Turniere konnte ich mich hochspielen“, erzählt die Ausnahme-Athletin. „So schaffte ich die Qualifikation der Australian Open und scheiterte erst in der zweiten Runde im Hauptfeld mit 3:6, 2:6 an Pam Shriver.“ Dann wurden ihr das Studium der Betriebswirtschaftslehre und später die Familie wichtiger.

Als es ihren Mann beruflich nach Krefeld verschlug, suchte sie für die Familie mit den beiden Kindern einen Club — die Wahl fiel auf den Crefelder HTC ein. Dort spielt sie heute in der 1. Verbandsliga, Damen 30. Der WM-Titel ist nicht der einzige Erfolg im vergangenen Jahr. Sie wurde auch deutsche Meisterin, Verbandsmeisterin und siegte bei den Krefeld Open. Zum Ausgleich suchte sie sich ein neues Hobby aus. Neben Tennis spielt sie nun auch Saxophon. cf