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Senioren tanzen gegen das Vergessen

Senioren tanzen gegen das Vergessen

Die Gruppe „Erinnern Vergessen“ lädt anlässlich des Alzheimertags in den Südbahnhof ein.

Krefeld. Die Seniorin kommt im Wintermantel in den Südbahnhof. Dann geht sie mit federnden Schritten auf die Tanzfläche und bewegt sich wie ein junges Mädchen, wie aus einer anderen Welt.

Diese Situation aus dem vergangenen Jahr beschreibt Jochen Hochkamer vom Paritätischen Wohlfahrtsverband in Krefeld. In diesem Jahr hoffen er und seine Mitstreiter auf ähnlich schöne Begebenheiten zum Tanztee, der anlässlich des Welt-Alzheimertages stattfindet.

„. . . darf ich bitten?“ heißt es am 26. Oktober zum dritten Mal. Wie in den Vorjahren werden alte Menschen eingeladen, zu Schlagern aus ihrer Jugendzeit zu tanzen und zu singen.

Wenn Songs von Beatles oder Peter Krauss erklingen, dann sind auch die Schüler des Fachseminars für Altenpflege der Kaiserswerther Diakonie dabei. Sie helfen den Senioren aus dem Mantel, begleiten sie zum Tisch und auf die Tanzfläche. Einige haben eigens dafür Tanzunterricht genommen.

Die Fachleute wissen, wie wichtig solch ein Tag mit der Teilhabe am gesellschaftlichen Leben für die Senioren ist. Dirk Bahnen von der Alzheimer-Gesellschaft: „Alle, die Lust haben, aus den eigenen vier Wänden rauszukommen, sind willkommen. Es erscheinen in jedem Jahr rund 120 ältere Leute.“

Bahnen: „Beim Tanztee erkennen wir, dass vergessene Ressourcen trotz einer demenziellen Erkrankung noch vorhanden sind und wie viel Lebensfreude durch Musik und Tanz entsteht.“ Im Südbahnhof wird die Brücke geschlagen zwischen Kultur und Sozialem.

Georg Dammer, Geschäftsführer von Werkhaus und Südbahnhof: „Unsere Einrichtung an der Saumstraße funktioniert generationsübergreifend. Wir wollen hinterfragen, wie wir mit dementen Personen umgehen. In den vergangenen drei Jahren haben wir viel dazu gelernt.“

Hochkamer: „Wie die teilweise behinderten Menschen in den Südbahnhof kommen, daran hat sich leider nichts geändert. Wir warten immer noch darauf, dass der Zugang barrierefrei gestaltet wird. Eineinhalb Meter Bordstein, also zwei Randsteine, müssten abgesenkt werden. Auf das Projekt ,Stadtumbau West‘ können wir nicht warten“, sagt er. Und Dammer ergänzt: „Ein Haupteingang muss barrierefrei sein.“