Rollstuhltanz: Mit Lebensmut der Krankheit trotzen

Rollstuhltanz: Mit Lebensmut der Krankheit trotzen

Antje Tippett (50) ist psychologische Beraterin und hat sich trotz MS-Erkrankung selbständig gemacht.

Krefeld. Wer Antje Tippett zusieht, wie sie mit ihrem Ehemann beim TC Seidenstadt einen Rollstuhltanz wagt, kann ihre Lebensfreude spüren. Nach dem ersten Schock der Diagnose Multiple Sklerose vor gut 20 Jahren hat sie ihren Mut längst zurückgewonnen.

Heute gibt sie ihn an andere Menschen in schwierigen Lebenslagen weiter. Dazu ist sie sogar das Risiko eingegangen, sich trotz ihres Handicaps selbständig zu machen. Seit kurzem bietet sie als psychologische Beraterin praktische Lebenshilfe an.

Für ihren erlernten Beruf als Krankengymnastin und Physiotherapeutin reichen heute die körperlichen Voraussetzungen nicht mehr aus. Nicht zuletzt wegen ihrer Krankheit hatte sie zusätzlich die Anerkennung als Heilpraktikerin und Homöopathin erworben. „Diese Kenntnisse und auch die dabei gesammelte Berufserfahrung haben mir auf meinem Weg sehr geholfen“, berichtet die 50-Jährige. Sie vertraue den Erkenntnissen der Homöopathie, sagt sie. Wichtig sei es, die Herausforderung der Krankheit anzunehmen, so wie es auch Malu Dreyer als Ministerpräsidentin von Rheinland-Pfalz vorlebe.

Gerade durch ihre Krankheit habe sie sich deutlich weiterentwickelt, sagt Tippett. Heute sei sie soweit, dass sie sich nicht nur um sich selbst kümmern müsse, sondern mit anderen Menschen gemeinsam Problemlösungen erarbeiten könne. „Als Rollstuhlfahrerin weiß ich, welche Probleme das Leben mit sich bringt. Deshalb kann ich mich besonders gut in die Situation Kranker und Behinderter hineinversetzen.“

Dass sie sich trotz des Verlustes der vollen Beweglichkeit — seit sechs Jahren braucht sie einen Rollstuhl — nicht die Lebensfreude nehmen lässt, beweist sie bis zu zwei Mal pro Woche beim Rollstuhltanz. Die Leidenschaft für das Tanzen ist so groß, dass das Paar schon einige Titel gewonnen hat. „Man muss dabei bisweilen seinen Ehrgeiz zügeln, damit der Spaß nicht verloren geht“, ermahnt sie sich selbst.

Ihren Mann hat sie vor 25 Jahren in Neuseeland kennengelernt. Damals war sie noch an der Uniklinik Göttingen tätig, und ihr Mann hatte einen Job als Chemiker in Krefeld angenommen. Die 17-jährige Tochter steht inzwischen weitgehend auf eigenen Füßen, so dass Tippett den Schritt in die Selbständigkeit gewagt hat.

Dazu hat sie ein Konzept erarbeitet, das sie jedoch nicht ohne fachlichen Rat umsetzen wollte.

Den fand sie bei der Gruppe Senioren beraten, die der Wirtschaftsförderung angeschlossen ist und bei der Existenzgründung hilft. Dieser Entschluss habe sich gelohnt, denn so sei ihr das Erstellen des Handwerkzeugs wie Internetauftritt, Flyer und Visitenkarte viel leichter von der Hand gegangen. Vor allem von den Ideen ihres Beraters für die Akquise habe sie sehr profitiert.

Mehr von Westdeutsche Zeitung