Reitclub Fischeln: Reiten fürs Selbstbewusstsein

Reitclub Fischeln: Reiten fürs Selbstbewusstsein

Vor 30 Jahren hat sich der Club gegründet, der behinderten Menschen mit Erfolg Freude am Pferdesport vermittelt.

Krefeld-Fischeln. Sascha Reiners strahlt über beide Wangen. Eine Woche hat er schon auf diesen Moment gewartet, jetzt sieht er seinen heiß geliebten Pino endlich wieder. Der stößt Sascha vorsichtig mit seinen Nüstern an und wartet auf eine kleine Streicheleinheit.

Pino ist eines der vielen Pferde, die dem Reitclub Fischeln zur Förderung behinderter Menschen zur Verfügung stehen. Der Verein vermittelt Menschen mit Behinderung die Freude am Pferd. Darüber hinaus werden bei den Reitstunden gymnastische Übungen auf und mit den Pferden gemacht. In diesem Jahr feiert der Verein 30-jähriges Bestehen.

Jeden Dienstag treffen sich zurzeit 20 behinderte Mitglieder zwischen sechs und 55 Jahren auf dem Reitgelände Im Witschen. Seit einem Jahr ist auch der geistig behinderte Sascha Reiners dabei. Der 37-Jährige liebt den Kontakt mit Tieren und mit Pferden ganz besonders. „Ich knuddel die Pferde gerne und vermisse sie die ganze Woche, wenn ich sie nicht sehe“, sagt Reiners.

Der Pferdeliebhaber lebt im Wohnheim Herrenweg in Hüls und fährt einmal in der Woche mit dem Bus zum Reitverein. Nicht alle Mitglieder des Reitvereins sind von Beginn an mit einer Unbefangenheit an die Pferde heran getreten.

„Für behinderte Menschen ist die Überwindung auf ein Pferd zu steigen größer, als bei Nicht-Behinderten“, sagt Yvonne Krebs, die zweite Vorsitzende des Reitvereins. Mit der Zeit und auch durch die Unterstützung der Reithelferinnen bekommen die Reiter aber ein Gefühl für die imposanten Tiere und verlieren schnell die anfängliche Angst.

„Durch das Reiten wird vor allem die Rückenmuskulatur und das Gleichgewichtsgefühl der Reiter gestärkt“, sagt Krebs. Darüber hinaus lernen die behinderten Menschen ihre Ängste zu überwinden und selbstbewusster zu werden.

Für Sascha Reiners ist das Reiten reine Entspannung, auch wenn die Pferde nicht immer so wollen wie der 37-Jährige. „Manchmal sind die Pferde genauso stur wie meine Freundin.“

Der Reitverein Fischeln finanziert sich, neben den Monatsbeiträgen von 7,50 Euro je Mitglied, vor allem aus Spenden. Auf diese ist der Verein dringend angewiesen, sagt Angelika Herrmann, die erste Vorsitzende des Reitclubs.

„Allein die Stallmiete für die zwei Pferde kostet monatlich 350 Euro.“ Ein weiteres Pferd für die Reitstunden verleiht der Reitstall Schmitz zu sehr günstigen Konditionen.

Anlässlich des 30-jährigen Bestehens feiert der Reitclub Fischeln am 16. Juli ein großes Sommerfest auf dem Reitgelände Im Witschen. Eingeladen sind sowohl die behinderten Reiter als auch Eltern, Betreuer und Gäste.

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