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Paul und Paula auf der Piste des Monte Neuss

Paul und Paula auf der Piste des Monte Neuss

Von U 5 bis Ü 60 — der Ski-Klub Bayer Uerdingen stellt jedes Alter auf die Bretter.

Krefeld/Neuss. Paul (5) und Paula (5) sind in ihrem Element — bei minus vier Grad, auf Kunstschnee und Mini-Brettern. Es ist Montag, 18.53 Uhr. Die Kids aus Krefeld machen sich mit Ski-Lehrerin Petra Kreisel fertig zur letzten Abfahrt auf der 350 Meter langen Piste vom „Monte Neuss“ in der dortigen Skihalle. Doch nicht nur für die Bambini des Ski-Klubs Bayer Uerdingen ist Trainingszeit.

Auf der anderen Seite der Piste hat die 20-köpfige Jugend-Rennmannschaft des Klubs Stangentraining für Slalom und Riesenslalom. Gleich fünf Trainer, mit Ulrich Schubert und Torsten Schaffrath an der Spitze, allesamt Ehrenamtler, bringen den jungen Talenten die rennorientierte Skitechnik bei.

Wie nahezu jeder andere Bayer-Sportverein hat auch der Ski-Klub ein sportliches Aushängeschild: Pia Schmitt, eine der besten deutschen Abfahrtsläuferinnen, die zum Erstaunen der Konkurrenz vom flachen Niederrhein kommt. Sie ist auf dem „Hausberg“ des Klubs eher selten zu finden: In der schneearmen mitteleuropäischen Zeit tummelt sie sich mit anderen alpinen Skisportlern zum Beispiel in Neuseeland — auf eigene Kosten.

Paul Herz, der Junge mit den blonden Locken, und Paula Wolf, die Kleine mit dem brünetten Schopf, sind am Montag zwei von 60 Aktiven des Ski-Klubs, die in der Neusser Skihalle üben. Die Mitglieder des Vereins gehören mittlerweile nur noch zum kleineren Teil zur Familie der Beschäftigten aus dem Uerdinger Chemiepark. Jeder kann Mitglied werden und an Reisen in Ski-Gebiete teilnehmen — zur Langen Wiese im Sauerland, nach Österreich oder in die Dolomiten.

Ex-Vorsitzender Horst-Lothar Wolf, der Opa von Paula Wolf, ist nach der Feier zum 90-jährigen Bestehen des Stadtsportbundes im Krefelder Rathaus ebenfalls zum „Hausberg“ gefahren. Der ehemalige Werkschutzchef von Bayer Uerdingen erinnert an die Gründung des Ski-Klubs vor 55 Jahren. „Was sind wir in Krefeld ausgelacht worden. Wir haben mit sechs Paar Ski aus Wehrmachtsbeständen angefangen. Die waren weiß und Beutestücke aus Norwegen.“ Heute lacht über die Ski-Sportler aus dem Flachland keiner mehr. Der Klub gehört zu den erfolgreichsten im Westdeutschen Ski-Verband.

Das Startalter liegt bei vier Jahren. Talente werden von den Trainern schnell erkannt; sie können speziell gefördert werden. Nach oben gibt es eigentlich keine Altersbegrenzung. Horst-Lothar Wolf: „Unsere Gruppe Ü 60 hat immer mehr Zulauf.“ Die Abfahrten sind nicht mehr so steil, der Geselligkeitsfaktor aber nicht kleiner als bei den Rennläufern.

Auch ein alter Bekannter aus dem Krefelder Polizeipräsidium mischt als Übungsleiter mit beim Ski-Klub: Adi Wunder, Erster Kriminalhauptkommissar a.D., führt Langläufer und Nordic Walker an.

Ski-Lehrerin Petra Kreisel aus Krefeld ist seit neun Jahren Übungsleiterin im Klub. Normalerweise bringt sie Kindern und Erwachsenen Snowboarden bei. „Aber bei den kleinen Ski-Hasen helfe ich gern aus“. Sie ist überzeugt, dass die Knirpse am Abend schnell in den Schlaf fallen werden. „Gefuttert wird unterwegs im Auto.“

Dann fällt der Strom in der Halle aus, das Notstromaggregat kann die Piste nicht erleuchten. „Das habe ich noch nie erlebt“, sagt Klaus-Jürgen Wolf, Vorsitzender des Klubs, lachend. In einem Jahr wird ihm Paula das sagen, was kürzlich Felix (6) seinem Papa erklärte: „Du kannst unseren Urlaub in den Alpen buchen. Ich kann jetzt auf alle Pisten.“