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Neuer Vorsitzender für jüdische Gemeinde

Neuer Vorsitzender für jüdische Gemeinde

Nach 31 Jahren hat Johann Schwarz sein Amt an der Spitze der Gemeinschaft an seinen Stellvertreter Michael Gilad abgegeben.

Krefeld. Verjüngung — das ist auch bei der jüdischen Gemeinde in Krefeld ein Thema. Mit dem Ziel, jüngere Leute in den Vorstand einzuarbeiten, hat jetzt Michael Gilad (65) das Amt des Vorsitzenden von Johann Schwarz übernommen. Der ist aus dem Vorstand ausgeschieden und ist nun Ehrenvorsitzender. So hat es die Gemeindeversammlung Ende März beschlossen.

Gilad ist auf drei Jahre gewählt. Sein Ziel ist es, jüngere Leute für den Vorstand zu gewinnen. Dann werde man weitersehen. Nach 40 Jahren als Selbständiger hat er vor vier Jahren sein Geschäft abgegeben und hat nun mehr Zeit für die Gemeinde.

Deren Aufgaben haben sich stark gewandelt, seit Gilad und Schwarz vor 31 Jahren die Leitung der Gemeinde übernahmen. Der Zuzug von Gemeindemitgliedern — vor allem aus der ehemaligen Sowjetunion — hält an. Mittlerweile ist die Gemeinde auf rund 1100 Mitglieder angewachsen. Deshalb geht es heute um Deutschkurse, Integrationshilfe und Unterstützung bei Ämtergängen und alltäglichen Fragen.

Darüber hinaus möchte Gilad die Tradition fortsetzen, das schöne Gemeindehaus an der Wiedstraße für alle Interessenten zu öffnen: Jugendclub, Café, Konzerte oder wie jüngst eine Tagung des Vereins Urbanicum tragen dazu bei, dass Leben ins Haus kommt. Fortführen möchte Gilad den Dialog mit den christlichen und muslimischen Kirchen.

Gilad gehört einer Generation an, deren Eltern unter dem Holocaust gelitten haben. Seine Mutter hat den Untergang der Cap Acona überlebt. Seinen Vater hat sie im Krankenhaus kennengelernt. Der war bei der Flucht aus dem KZ schwer verletzt worden. Sohn Michael kam 1946 in Lübeck zur Welt, wuchs mit der deutschen Sprache auf. Doch die Eltern hielt es nicht in Deutschland, sie wanderten mit ihm nach Israel aus.

Während seiner Militärzeit musste Michael seinen deutschen Namen Goldberg in einen hebräischen umwandeln: Gilad. „Viele Leute nennen mich aber heute noch Goldberg“, sagt er. Die Liebe brachte ihn schließlich zurück nach Krefeld. In Israel lernte er seine spätere Frau kennen, eine Krefelderin. Seine Eltern haben das verstanden, viele aus seinem Umfeld damals nicht.

Und auch wenn er fast jeden Monat zu seiner Mutter nach Israel fährt, ist Krefeld längst sein Zuhause geworden. Seine Mutter ist immer noch am Geschehen in Deutschland interessiert. „Jedes Mal muss ich ihr fünf Kilo Zeitungen mitbringen“, lacht er.