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Leben in der WG statt im Heim

Leben in der WG statt im Heim

In Linn ist ein besonderes Mietshaus eingeweiht worden. Dort leben vor allem junge Behinderte.

Krefeld. Eine neue Wohn- und Lebensform für behinderte Menschen, nicht weniger als ein Pionierprojekt, versteckt sich hinter dem etwas sperrigen Namen „Ambulante Intensiv-Betreuung“. An der Königsberger Straße 94 in Linn ist ein Haus eingeweiht worden, das deutschlandweit etwas Besonderes ist.

„Wir sind stolz darauf, Menschen mit intensivstem Unterstützungsbedarf hier ein Zuhause mit Mietvertrag zu bieten. Eine neue Form wurde geschaffen“, sagt Festredner Wilfried Gaul-Canjé, der Geschäftsführer der St.-Augustinus-Behindertenhilfe. Paul Neuhäuser, der Geschäftsführer der St.-Augustinus-Kliniken, bedankt sich bei den 13 Mietern des neuen Gebäudes, dass man bei ihnen zu Gast sein dürfe.

Das Besondere des Gebäudes an der Königsberger Straße 94 ist, dass die 13 überwiegend jungen Behinderten eine Alternative zum Leben in der Familie oder einem Heim gefunden haben. So selbstbestimmt, wie es ihre jeweiligen Behinderungen erlauben, können sie ihr Leben gestalten und ein Maximum an Verantwortung für sich selbst übernehmen.

Mit dem Projekt „Ambulante Intensivbetreuung“ habe man „ein Unikat in Deutschland geschaffen“, sagt Elternvertreter Ludwig Loeb. Er vermittelt den Anwesenden eine Idee davon, was es bedeutet, dieses Neuland zu betreten, ein Projekt zu wagen, für das es keine Erfahrungswerte gibt. Die Einrichtungsleiterin der St.-Augustinus-Behindertenhilfe in Krefeld, Karin Pilatzki, stellt das Konzept des Hauses vor, das seinen Bewohnern die größtmögliche Teilhabe am Leben erlaube.

Im Juni zogen die ersten Mieter ein, und bei einer Führung durch die Räume einer Wohngemeinschaft erläutert Patrick Just, der Leiter des Teams „Ambulant Betreutes Wohnen Linn“, wie ihr Alltag im Haus an der Königsberger Straße aussehen kann. Der unterscheidet sich nicht von dem gleichaltriger nicht behinderter Menschen: Die Bewohner richten ihre Wohnung ein, treffen Freunde, kaufen ein und kochen, essen in netter Runde und verbringen den Feierabend in Gesellschaft.