1. Specials
  2. NRW
  3. Krefeld

Längere Wartezeiten beim Arzt

Längere Wartezeiten beim Arzt

Mit Wegfall der Praxisgebühr nehmen die Patientenzahlen zu. Ob das mit dem Geld oder der Grippe zu tun hat, ist unklar.

Krefeld. Wer in diesen Tagen zum Facharzt will, muss Geduld haben und — Zeit mitbringen. Vor allem bei Kardiologen und Neurologen sind die Wartezeiten länger geworden, ob zunächst auf einen Termin oder vor Ort im Wartezimmer. Grund hierfür ist der Wegfall der Praxisgebühr. Die wird seit Januar nicht mehr bei einem Arztbesuch fällig. Entsprechend steigen die Patientenzahlen. „Die Hausärzte spüren derzeit auch eine Zunahme“, sagt der Vorsitzende der hiesigen Ärztekammer, Dr. Knut Krausbauer. Doch in dem Falle glaubt er eher, dass das mit der starken Grippewelle zu tun hat.

Konkrete Zahlen liegen noch nicht vor. Er wenn das erste und vermutlich auch das zweite Quartal mit der Kassenärztlichen Vereinigung abgerechnet sind, könne man konkrete Schlüsse ziehen. Dennoch erwartet Krausbauer einen leichten Anstieg. „Es ist schön für die Patienten, dass sie die zehn Euro nicht mehr zahlen brauchen“, sagt der Mediziner. Dennoch sei es eine „Milchmädchenrechnung“, dass der Arztbesuch für den Einzelnen billiger geworden wäre. „Wenn den Krankenkassen das Geld für medizinische Leitungen fehlt, holen die sich das doch von den Versicherten über höhere Beiträge wieder zurück.“

Für den Vorsitzenden der Ärztekammer hatte die Praxisgebühr ihren Sinn. Vor allem auch als Steuerungsinstrument bei der Überweisung an Fachärzte. Notwendige Voruntersuchungen konnten zum einen bereits beim Hausarzt erfolgen, zum anderen wurden die Termine bei den Spezialisten zeitlich entzerrt. „Inzwischen gehen die Patienten bei jedem Zipperlein wieder direkt zu einem Facharzt, und die kommen nicht mehr nach.“ Auch zum Nachteil derer, die tatsächlich ernsthaft erkrankt sind.

„Wir spüren das ganz deutlich in der Notfallpraxis“, sagt Krausbauer. Am Abend und am Wochenende halten niedergelassene Ärzte am Helios-Klinikum eine Notfallsprechstunde vor. „Seitdem es nichts mehr kostet, steigt das Patientenaufkommen.“ Das Ärgerliche daran sei, dass dabei häufig tatsächlich gar keine akute Erkrankung oder ein Notfall vorliege. Vielmehr würden Besucher ihre seit Wochen unbehandelten Symptome oder aber chronische Krankheitsbilder in Ruhe abgeklärt haben wollen. „Das ist nicht Aufgabe der Notfallpraxis, die ist für akute Fälle oder bei unklaren akuten Befunden zuständig.“

Pressesprecherin Karin Hamacher von der Kassenärztlichen Vereinigung Nordrhein glaubt hingegen nicht an verstärktes „Ärzte-Hopping“. Früher habe es bereits die Patienten gegeben, die sich zu Quartalsbeginn ohne Grund direkt fünf Überweisungen hätten ausstellen lassen.