Kulturfabrik: Wölfe mit traurigem Comeback-Versuch

Etwa 350 Fans von Dear Wolf erleben ein Konzert, das nicht enttäuscht, aber wie ein Symbol für den Stillstand anmutet.

Krefeld. Dann war es auch ein bisschen traurig. In die große Halle der Kulturfabrik hatte die Band Dear Wolf ihre Fans gerufen, das Herauskommen der sechsten CD sollte gefeiert werden. Der Traum vom zweiten Comeback schwebte über dem Ganzen. Aber nur etwa 350 Fans kamen, die meisten von ihnen alte Weggefährten, sichtbar ergraut.

Es war also nicht leer, aber auch nicht voll. Leitwolf und Sänger Alexander Classen brauchte ein, zwei Lieder, um sich an den Anblick zu gewöhnen. Aber dann stimmte der Sound der Band, in der Martin Smeets nach wie vor die rockig-vielfarbige Gitarre spielt.

Das neue Album „Hello Stars“ präsentiert die Wölfe auf der Höhe ihres Könnens, aber vor 20 Jahren waren sie auch schon so weit. Neue Songs wie „Sketch Of The Universe“ oder „God is“ haben wieder Hit-Potential — wie einst „Marie Ann“. Und live ist Dear Wolf nach wie vor eine packende Band.

Man steht also vor der Bühne und begreift es als Krefelder Musikfan dann wieder nicht: Warum haben diese Band und dieser Sänger mit seiner markant-charismatischen Rockröhre es nicht geschafft? Man weiß es nicht. Aber es ist, wie es ist. Die Wölfe bleiben Gefangene einer Geschichte, die keine Erfolgsgeschichte ist. Punktum.

Die Vorband war das Provinztheater — keine gelungene Kombination. Die jungen Musiker spielen laut Eigenwerbung „Rumpelpolka und Kartoffelrock“ und sind auf ihre Art auch schon Gefangene der Geschichte. Per Kostümierung schicken sich die unter spießigen Künstlernamen agierenden Musiker selbst in den Käfig eines künstlich auf alt und bieder geputzten Images. Darin fühlen sie sich wohl, damit haben sie auch selbstironischen Umgang, das sieht man. Trotzdem bleibt man so Teil eines Witzes, der sich als geschlossenes System selbst den Boden unter den Füßen wegzieht.

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