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Karriere: Unternehmer litt an Selbstmord-Kopfschmerz

Karriere: Unternehmer litt an Selbstmord-Kopfschmerz

Wolfgang liefert Regale bis nach Thailand - sein Erfolg begann nach einer Therapie.

Krefeld. Was Wolfgang Becker anfasst, schafft er und hat darüber hinaus auch noch Erfolg dabei. Ganz gleich ob es sich um Neustarts im Beruf handelt oder um den Sieg über schlimme Krankheiten. „Ich habe mich als Weinhändler selbstständig gemacht, um Zeit für meine schwere neurologische Erkrankung zu haben und konnte mich dann selbst therapieren“, sagt der 67-Jährige. Heute macht er beruflich wieder etwas ganz anderes. Doch der Reihe nach.

Becker arbeitete zuerst als Tankwart und hat danach eine Umschulung zum Bürokaufmann absolviert. „Anfang der 90er Jahre trat ich in einen Weinhandel ein und wurde dann schwer krank. Ich litt viele Jahre an Cluster-Kopfschmerz, der wegen seiner extremen Schmerz-Intensität im Volksmund auch ,Selbstmord-Kopfschmerz‘ genannt wird.“

Es sei die schwerste neurologische Erkrankung, was die Schmerzintensität betreffe, berichtet Becker weiter. „Kein Arzt konnte mir helfen. Ich habe dann kriminalistisch gearbeitet und herausgefunden, dass bei mir Glutamat und Zitronensäure den Kopfschmerz auslösen.“ Er hat dann eine Therapie an der Uni-Klinik Essen gemacht und ist heute fast beschwerdefrei.

Als Mitbegründer der ersten deutschen Selbsthilfegruppe für Cluster-Kopfschmerz wollte er seinen Leidensgenossen Hilfe verschaffen und vertrieb damals spezielle Sauerstoffmasken, die nur schwer erhältlich waren. Eine Krebserkrankung überwand Wolfgang Becker ohne weitere Folgen.

„Wegen der neurologischen Erkrankung habe ich mich als Weinhändler selbstständig gemacht. Denn nach fünf Kopfschmerzattacken — jeweils zwischen 15 und 180 Minuten — konnte ich als Angestellter nicht pünktlich zur Arbeit erscheinen.“

Als es ihm besser ging, startete der damals 57-Jährige noch einmal richtig durch. „Ohne fremde Mittel“, wie er betont. Er begann mit dem Handel von gebrauchten Regalen und Kleiderständern. Bald darauf ergänzten neue Fachboden- und Palletten-Regale sein Sortiment. Damit war der Grundstein für Lagertechnik Becker gelegt.

„Ich beschäftige über zehn Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und habe versucht, meinen Zuwachs jährlich um 25 Prozent zu steigern. Es klappt, wird aber immer schwerer“, sagt er und lächelt. Das Unternehmen verzeichnet heute, nach zehn Jahren, Millionenumsätze. Der Vertrieb geht über Europa hinaus. Gerade wurde auf dem Hof ein Container mit Regalsystemen für Libyen beladen, ein anderer geht nach Thailand. „Wir sind eben günstig“, sagt er und lächelt wieder.