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Hundelobby kritisiert Strafbesteuerung

Hundelobby kritisiert Strafbesteuerung

Verwaltung will die Steuer für bestimmte Rassen auf 680 Euro erhöhen. In der Beißstatistik fallen die kaum auf.

Krefeld. Während drei Bundesländer die Rasseliste aufgehoben haben und Hessen momentan über einen der fortschrittlichsten Gesetzesentwürfe über das Halten und Führen von Hunden berät, empfiehlt die Krefelder Verwaltung eine höhere Besteuerung von sogenannten Kampfhunden aus „ordnungspolitischen Zielsetzungen“. Die Hundelobby Krefeld lehnt diese „Strafbesteuerung“ ab.

„Die 302 Krefelder Familien, die in ihrem Haushalt mit einem gut erzogenen und sozialisierten Listenhund zusammenleben, werden mit einer maßlosen Erhöhung der Hundesteuer um über 600 Prozent willkürlich bestraft“, argumentiert Frank Rühl, Sprecher der Hundelobby.

Mehrere Gespräche haben er und Dietmar Beckmann vom Krefelder Tierheim in den vergangenen Monaten deshalb mit Vertretern der verschiedenen Ratsfraktionen geführt. Am 24. Oktober laden sie um 19.30 Uhr zu einer öffentlichen Diskussion mit politischen Vertretern in die Bergschänke auf dem Hülser Berg ein.

Laut Verwaltung sind im Stadtgebiet derzeit insgesamt 11 350 versteuerte Hunde gemeldet. Davon zählen 152 Tiere zu den per Gesetz als gefährlich eingestuften Rassen (American Staffordshire Terrier, Bullterrier, Pittbull Terrier, Staffordshire Bullterrier sowie deren Kreuzungen).

150 weitere gehören zu den „Listenhunden“, zu denen unter anderem American Bulldogs, Mastiffs und Rottweiler (Foto) zählen. „In den behördlichen Beißstatistiken tauchen diese Rassen nur selten auf“, sagt Rühl.

Auf Landesebene waren es 55 Vorfälle bei 20 440 Tieren dieser Rassen. In Krefeld sind laut Manuel Kölker vom Presseamt im vergangenen Jahr 19 Beißvorfälle gemeldet worden. „Die sind aber nicht auf besondere Rassen zurückzuführen“, betont Kölker.

Diese Erfahrung macht Dietmar Beckmann tagtäglich. Im Tierheim gibt es laut seinen Worten keine besonderen Probleme im Umgang mit Staffs und Pittbulls. Wenn die Steuer nun aber so drastisch erhöht werde, schrecke das interessierte, geeignete neue Hundebesitzer ab.

„Mit Versicherung, Sachkundenachweis und Steuer müssen die zunächst 1000 Euro für einen Tierheimhund locker machen und sind dann noch dem Stigma der Rassen ausgesetzt.“ Zielführender sei es, auffällige Hunde gleich welcher Rasse zum Wesenstest zu laden und von dessen Halter einen Sachkundenachweis zu fordern.

Alle Hundeexperten sind sich darin einig: Die Gefährlichkeit eines Hundes hängt nicht von der Rasse ab, sondern ausschließlich vom Besitzer und dessen Sachkunde.