Hobby-Imker: Fasziniert vom Bienenfleiß

Hobby-Imker: Fasziniert vom Bienenfleiß

In guten Jahren erntet der 75-jährige Wolfgang Baehr mehr als 500 Kilogramm Honig.

Krefeld. Wolfgang Baehr ist Millionär. Bienen-Millionär. Und das mitten in der Stadt. Der Hobby-Imker pflegt seine 19 Bienenvölker in der Kleingartenanlage Immengarten am Breiten Dyk. Pro Volk rechnet der Züchter mit 50 000 bis 70 000 Tieren. Der 75-Jährige erntet in guten Jahren mehr als 500 Kilogramm Honig. Aber: „Der interessiert mich eigentlich wenig“, sagt er schmunzelnd.

Ihm gehe es mehr um die Pflege und die Entwicklung seiner Völker, um „die Nähe zur Natur und das Zusammenspiel von Tieren und der Natur“. Als kleiner Junge wollte er Förster werden. Ein Beinbruch verhinderte die grüne Karriere. Baehr wurde schließlich Werkzeugmaschinenmeister. Aber schon als Kind hat er sich für Bienen und ihre Bestäubungsmethoden interessiert. Vor über 40 Jahren machte er die Imkerei schließlich zum Hobby. Baehr wohnte früher mit seiner Familie in Fischeln, zog dann in ein Mehrfamilienhaus am Breiten Dyk, weil er in den dortigen Kleingärten mit drei weiteren Imkern eine Bleibe fand. Allerdings lief das Zusammenleben wegen seiner stacheligen Schützlinge nicht konfliktlos. „Die haben uns wegen der Bienen zu ihren Feinden erklärt.“

Als Schikane sieht es der Hobby-Imker an, dass ihnen weder Elektro- noch Wasseranschlüsse auf ihren Grundstücken zugebilligt wurden. Dabei sei die Angst vor Bienenstichen unbegründet. „Die stechen in der Regel nicht.“ Bei sorgfältiger Pflege der Völker seien die Insekten friedlich und widmen sich ihrer eigentlichen Aufgabe, dem Sammeln von Blütenstaub, den sie zu Nektar verarbeiten.

Die Konflikte seien mittlerweile aber Geschichte. Mit dem neuen Immenhof-Vorstand könnten die Imker inzwischen „gut Kirschen essen“. Nicht zuletzt deshalb, weil die Kleingärtner inzwischen begriffen hätten, wie wichtig die Bienen für Blumen, Obst und Gemüse sind. Ohne Bienen müssten sie die Blüten per Hand bestäuben, was ziemlich zeitaufwendig sei. Oder sie müssten sich auf den Wind verlassen, was aber die Erträge deutlich vermindern würde.

Natürlich ist das Bienensterben Thema für Baehr. Im vergangenen Winter hat er zwei Völker verloren, rund zehn Prozent seines Bestandes. Anderswo seien die Verluste durch die Varroa-Milbe, Kalt- und Faulbrut erheblich größer. „Viele Imker haben deshalb aufgegeben“, bedauert er. Normal seien Verluste von 20 bis 30 Prozent. Nicht zuletzt durch die Erfahrungen eines spezialisierten Veterinärmediziners sei das in Krefeld nicht in dem Umfang der Fall.

Als Ursachen für das Bienensterben sieht Baehr vor allem Fehler in der Haltung der Völker, Klimaveränderung, Einengung des Lebensraums der Bienen und die zunehmende Umweltbelastung durch Pestizide. Dabei sei der ökonomische Nutzen der Bienen kaum zu beziffern.

Rund 80 Prozent der heimischen Blütenpflanzen werden von Bienen bestäubt. Empört verweist Baehr auf Kollegen in den USA. Dort ziehen fast schon industrielle Groß-Imker mit Riesentrucks und hunderten Bienenvölkern mit der Fruchtfolge nach dem Winter von Süden nach Norden. „Die werden von den Farmern bestellt, damit ihre Ernte nicht in die Binsen geht.“ Reiner Raubbau an den Bienen sei das, schüttelt der Rentner den Kopf.

Anmk. der Redaktion: Der Name des Imkers war in der ersten Version des Textes falsch, nun ist er korrigiert.

Mehr von Westdeutsche Zeitung