Guerilla-Pflanzen: Sonnenblumen für die Stadt

Guerilla-Pflanzen: Sonnenblumen für die Stadt

Kolja Mendler fordert, dass die Bürger die Stadtgestaltung selbst in die Hand nehmen und macht bei einer Pflanz-Aktion mit.

Krefeld. Kolja Mendler ist ein Einzelkämpfer in Krefeld. Auf der Suche nach Mitstreitern hatte er bislang keinen Erfolg. So steht er mit seiner Tüte voller Sonnenblumensamen in der Hand noch ziemlich auf verlorenem Posten. Doch davon lässt sich der 45-Jährige nicht beeindrucken, denn er verfolgt ein klares Ziel.

„Ich möchte die Gestaltung der Stadt selbst in die Hand nehmen“, sagt Mendler. In diesem Jahr macht er zum ersten Mal beim „Sunflower Guerilla Day“ mit. Dabei wird weltweit dazu aufgerufen, die Städte mit dem Aussäen von Sonnenblumen zu verschönern.

Kolja Mendler war bereits in seinem direkten Wohnumfeld an der Marktstraße aktiv und hat Blumensamen verstreut. „Da ist es auch nötig. Da gibt es nicht viel Grünes“, erklärt er. Der 45-Jährige, der seit 2002 in Krefeld wohnt, ist Familienforscher und aktives attac-Mitglied. Als er von der Sonnenblumen-Aktion las, war ihm klar: „Das muss man auch in Krefeld machen!“

Bislang konnte er noch keine Mitstreiter gewinnen, er wünscht sich jedoch, dass bald mehr Menschen zu Blumensamen greifen und die Stadt in eine Sonnenblumen-Oase verwandeln. In anderen größeren Städten wie Düsseldorf oder Essen gibt es bereits eine breitere Szene.

In Krefeld hätten es Mendlers Meinung nach besonders das Gebiet hinter dem Bahnhof, viele Orte in der Innenstadt sowie fast alle Ecken, an denen hauptsächlich die Industrie beheimatet sei nötig. „Es geht aber nicht nur um die Verschönerung der Stadt, sondern darum, dass die Menschen die Stadtgestaltung selbst in die Hände nehmen“, sagt er.

Wirklich legal ist es nicht, an öffentlichen Plätzen Samen zu säen, etwas dagegen unternehmen kann und will die Stadt nicht. Doris Törkel vom Fachbereich Grünflächen findet es generell gut, wenn durch Guerilla-Aktionen Denkanstöße gegeben werden.

„Trotzdem gehören öffentliche Plätze der Allgemeinheit und eine Instanz sollte die Richtung der Gestaltung vorgeben. Es kann nicht einfach jeder machen was er will“, erklärt sie. Problematisch würde es, wenn wild gepflanzte Blumen die Verkehrssicherheit beeinträchtigen würden.

Als Alternative zum „Wildpflanzen“ gibt es in Krefeld die Möglichkeit der Baumspende oder Baumpatenschaft. Bürger können Geld für die Pflege der Stadtbäume — von denen es in Krefeld über 27 000 gibt — spenden, oder auch die Pflege eines Baumes übernehmen.

„In den letzten Jahren gibt es eine verstärkte Bereitschaft von Bürgern oder Vereinen, sich an der Baumpflege zu beteiligen“, sagt Matthias Pasch, Abteilungsleiter Grünunterhaltung. Ab 150 Euro geht es los und wer Lust hat, kann auch die Fläche rund um den Baum bepflanzen. Tipps gibt es vom Grünflächenamt.

„Vielen Krefeldern sind gepflegte Grünanlagen sehr wichtig“, so Törkel. Sie stünden für Lebensqualität und beeinflussten die Außenwirkung der Stadt. Die Bepflanzung von öffentlichen Plätzen mit Blumen habe jedoch leider abgenommen.

„Es ist ein finanzielles Problem. Bepflanzung gibt es eigentlich nur noch in der Innenstadt und im Botanischen Garten“, erläutert Pasch. Aber Doris Törkel macht klar: „Wenn man an der Pflege der Grünflächen sparrt, führt das irgendwann zu einem enormen Substanzverlust.“

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