Geschichtswettbewerb History Award: Mit einem Tacker zum Sieg

Geschichtswettbewerb History Award: Mit einem Tacker zum Sieg

Wettbewerb: Zum zweiten Mal nach 2011 gewannen Zehntklässler der Stephanusschule den History Award.

Krefeld. Mit Hilfe eines 100 Jahre alten Tackers, einer ziemlich neuen Kompakt-HD-Videokamera und mit viel Engagement auch in ihrer freien Zeit haben knapp 20 Zehntklässler den ersten Preis beim Geschichtswettbewerb History Award gewonnen. Die Kamera ist schuleigen und kam an verschiedenen Drehorten zum Einsatz, der Tacker, der Bürohefter, ist das historische Bindeglied beim 15-Minuten-Film der Schüler über die Girmes-Textilwerke in Grefrath-Oedt (Kreis Viersen).

Damit ist die Gruppe um Geschichtslehrer Michael Cornly bereits das zweite Siegerteam der Hauptschule an der Rote-Kreuz-Straße: Bereits 2011 konnte die Schule mit einem Beitrag über die Staufferzeit den ersten Platz beim Geschichtswettbewerb belegen. Damals wie heute war der Jubel bei allen Beteiligten groß.

Am größten war er, sagen die Beteiligten im Gespräch mit der WZ, bei der Preisverleihung im Ehrensaal des Deutschen Museums in München, als der zweite Platz verkündet wurde. Denn die eingeladenen Teams wussten bis dahin nicht, welche Platzierung sie erreicht hatten. Als der zweite Platz verkündet wurde, lagen sich die Krefelder Schüler in den Armen, denn nun war klar: Es ist wieder Platz eins. Und das Urteil der Jury war einstimmig ausgefallen.

Thema des diesjährigen Wettbewerbs war „Fundstücke der Geschichte“. Um den Tacker herum drehen die Schüler den Film, in dem sie selbst schauspielern und recherchieren. Sie besuchen auch das Krefelder Haus der Seidenkultur und sprechen am Telefon mit dem Enkel von Johannes Girmes, Gründer der Girmes-Werke, in den Vereinigten Staaten.

In charakteristischen Szenen und Episoden beschrieben die Schüler Auf- und Niedergang der Textilwerke in Oedt: Von der Gründung der Fabrik 1879 über den kometenhaften Aufstieg im frühen 20. Jahrhundert, den Ersten Weltkrieg und Zweiten Weltkrieg, die Zeit des Wirtschaftswunders bis hin zum endgültigen Ende der Werke von 2000 bis 2003. Historische Fotos werden in den Film hineingearbeitet, Interviews mit Zeitzeugen der jüngeren Geschichte kommen hinzu.

Insgesamt, sagt der Laudator bei der Preisverleihung, sei es ein Film, der über den Begriff „Nachwuchsarbeit“ eigentlich hinausgehe, so professionell sei er.

Das kommt nicht von ungefähr: In der Klasse 7 oder 8, sagt Michael Cornly, beginnen die Schüler im Wahlpflicht-Unterricht mit einer Spezialisierung, wohlgemerkt neben dem normalen Geschichtsunterricht.

Die Vorbereitung zum Wettbewerbs-Beitrag dauert in der Regel drei bis vier Monate, bei dem jetzigen Siegerteam war es weniger Zeit, weil das Thema vorher ein anderes war und die Schüler erst im Januar auf den Tacker einschwenkten.

Der war eher zufällig in Räumen auf dem Girmes-Gelände gefunden worden. Die neue Idee für den Film war da, alle haben sich reingehängt, das Drehbuch geschrieben, dann kam die Videokamera zum Einsatz.

Der Einsendeschluss Mitte April wurde dadurch eingehalten, dass die Beteiligten sehr viel ihrer freien Zeit auch an Wochenenden opferten.

Dann folgte die Fahrt nach München mit zwei gesponserten Kleinbussen — und danach ging’s erst einmal auf einwöchige Klassenfahrt.

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