Funny van Dannen: Kein Hauch von Hanswurst

Funny van Dannen ist Liedermacher wider Willen. Vor seinem Konzert spricht er über Punk, Comedians und Idioten im Publikum.

Krefeld. Beim Begriff Liedermacher denkt man an Reinhard Mey, Hannes Wader und Franz Josef Degenhardt. Sehen Sie sich gerne mit denen in einer Reihe?

Funny van Dannen: Ist doch keine Schande. Das sind gute Leute, die gute Sachen gemacht haben. Dennoch ist der Begriff Liedermacher problematisch, weil man gleich die 60er und 70er Jahre vor Augen hat. Aber es gibt wohl keine bessere Bezeichnung.

Van Dannen: Das stimmt. Ich lasse das Wort ja auch nur durchgehen, damit Leute, die mich nicht kennen, eine grobe Vorstellung haben, was ich so mache. Da passt Liedermacher immer noch am besten. Mir kommt sonst nur Troubadour in den Sinn. Seit der Begriff Liedermacher so klar besetzt ist, wird gern vergessen, dass es die Tradition Mann mit Gitarre schon sehr viel länger gibt.

VanDannen: Aus der Ecke komme ich ja. Was ich früher gemacht habe, klang schon sehr punkig, allerdings viel chaotischer und dilettantischer als die Hosen.

Van Dannen: Weil ich nie dauerhaft eine Band gefunden habe. Ich war neu in Berlin, da konnte nichts wachsen. Und irgendwann waren nur ich und meine Gitarre übrig.

Van Dannen: Die Komik liegt mir im Blut. Als Rheinländer bin ich mit Karneval groß geworden, meine Familie war da sehr aktiv. Meine ersten Auftritte hatte ich mit neun Jahren im Karneval. Die Menschen zu erfreuen, ist deshalb bis heute wichtig für mich. Mit Comedy oder Kabarett habe ich trotzdem nichts am Hut - obwohl ich oft in diese Schublade gesteckt werde. Ich mache mich nicht zum Hanswurst.

Van Dannen: Solche Missverständnisse gibt es immer mal. Dann sind Leute im Publikum, die mich für einen Witzbold halten und sich auch bei traurigen Liedern totlachen. Da möchte ich am liebsten kurz aufhören und denen die Meinung sagen. Aber in der Form, wie es der Kritiker beschreibt, gibt es das nicht. Wenn der nur Schenkelklopfer bemerkt haben will, hat er bloß gesehen, was er sehen wollte. Das ist grober Unfug. Bei meinen Konzerten steht der Hardrocker neben dem 15-jährigen Schüler und daneben dessen Oma.

Van Dannen: Diese Leute kriegen doch von anderen Zuschauern Kontra. Die fühlen sich nach einer Weile ganz schön isoliert.

Van Dannen: Ich war schon immer ernst und nachdenklich. Vielleicht geht mit dem Alter trotzdem die Leichtigkeit und Lustigkeit ein bisschen flöten. In der Jugend hatte man noch den Optimismus, dass sich die Dinge zum Besseren entwickeln. Dann sieht man, wie ein paar Spekulanten ganze Staaten ins Wanken bringen, wie die Atomkraft, die man längst erledigt glaubte, den zweiten Frühling erlebt, wie Rainer Brüderle plötzlich wieder auftaucht, wie wichtige Debatten über Bildung oder Integration jahrelang verschleppt werden. Das ist schon frustrierend. Ich hoffe trotzdem, dass ich bald wieder etwas lustiger sein kann.

Van Dannen: Aus dem simplen Reim: Pflanzen tanzen. Ich komme ganz oft über das Wort zum Song. Das ist meistens der Anfangskick - und wenn ich Glück habe, entsteht ein Song daraus.

Van Dannen: Dann stelle ich fest: Hatte ich schon mal. Hatte ich auch schon mal besser. Das ist zuerst ernüchternd. Aber danach muss es trotzdem weitergehen.

Van Dannen: Nö. Ich hoffe, dass ich als Mensch in Würde altern kann. Ob man das als Künstler schafft, steht in den Sternen. Jacques Brel hat mal gesagt: Es ist nicht das Problem, dass einem nichts mehr einfällt, sondern dass einem nichts Gutes mehr einfällt. Da ist viel Wahres dran.

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