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Fischeln: Zwischen Lärm und grüner Idylle

Fischeln: Zwischen Lärm und grüner Idylle

Krasser als im Krefelder Süden können die Gegensätze kaum sein: Immer mehr Verkehr auf Kölner Straße und himmlische Ruhe im Bruch.

Krefeld. Wer durch Fischeln geht, kommt um die Kölner Straße nicht herum. Hier kaufen die Menschen ein, aber hier leiden sie auch.

Die Bundesstraße (B 9) zerschneidet Krefelds größten Stadtteil. „Der Verkehr ist für viele Fischelner nicht mehr zu ertragen. Das Durchfahrtverbot für Lkw über 3,5 Tonnen muss schärfer kontrolliert werden“, fordert Reiner Schütt vom Bürgerverein.

Wie sehr das Thema die Menschen beschäftigt, zeigen die Gespräche beim Spaziergang durch den Stadtteil. Immer wieder kommt die Blechlawine zur Sprache. „Die Ortsdurchfahrt ist für die vielen Lastwagen zu klein“, klagt Uwe Frank. Abhilfe kann aus Sicht des 51-Jährigen nur die südwestliche Umgehungsstraße schaffen.

Schütt hofft dagegen auf das Lkw-Routenkonzept. Ziel ist es, den Schwerlastverkehr bereits auf der A 44 Richtung Oberschlesienstraße zu leiten, um Fischeln zu entlasten.

Wie nötig das ist, haben die Luftmessungen gezeigt. Die Stickoxidbelastung überschreitet den Grenzwert deutlich. Deshalb schreibt der Luftreinhalteplan seit November vergangenen Jahres das Lkw-Durchfahrtverbot vor. Beachtet wird es allerdings kaum. „Erst wenn die Polizei regelmäßig kontrolliert und bestraft, ändert sich etwas“, ist Schütt überzeugt.

Unser Weg führt an den zahlreichen Geschäften vorbei Richtung Rathaus. Überall herrscht emsiges Treiben, das Leben pulsiert. „Einkaufen kann man hier prima“, sagt Stephanie Adam. „Was fehlt, ist großes Café, wo man draußen sitzen und gemütlich ein Stück Kuchen essen kann,“ meint die 22-Jährige. „Schön wäre auch ein Laden mit Klamotten für junge Leute.“

Wir stehen vor Paninis. Seit etwa einem Jahr hat das Café geschlossen. „Es soll Probleme mit der Qualität und Sauberkeit gegeben haben“, erzählt Schütt. Jedenfalls fehlte es an Kunden. Nun herrscht Leerstand, was in Fischeln selten vorkommt. „Wir haben hier Gott sei Dank keine Uerdinger Verhältnisse“, sagt Schütt.

Nächste Station: das Rathaus mit Bürgerservice und Polizei-Bezirksdienststelle. Von außen präsentiert sich das Gebäude sehr ansehnlich, wurde es doch 2009/10 zum 100-Jährigen aufwendig saniert. Innen herrscht dagegen Tristesse, weil etliche Räume auf Nutzer warten. Ein Konzept dafür steht aus.

Unser Weg führt über die Hafelsstraße zum Theater am Marienplatz (TAM). Aus eigener Anschauung kennen nur wenige Fischelner die private Avantgarde-Bühne von Pit Therre. Manfred Adam vom Bürgerverein berichtet aber von Protestbriefen aus Israel, als es um die Schließung des Theaters ging.

Erheblich mehr Besucher als das TAM lockt Manfred Gietz immer wieder in den Saal seines Burghofs an der Marienstraße. Mit dem erfahrenen Kulturmacher Joachim Watzlawik plant er Themenabende. Die irische Nacht hat den Leuten besonders gut gefallen. „Ich war mit Freunden da, es war klasse“, erzählt Stephanie Adam.

Der Spaziergang führt uns Richtung Norden in den Stadtpark. „Ein tolles Areal für alle“, urteilt Schütt. Zwischen Hundehaltern, Familien mit Kindern, Spaziergängern und Fahrradfahrern gebe es hier keinen Streit.

Mehr als der Park liegt den Menschen aber das Fischelner Bruch östlich der K-Bahn am Herzen. Krasser können die Gegensätze kaum sein: Nur wenige Gehminuten von der Kölner Straße entfernt verfügt Fischeln über ein ausgedehntes Landschaftsschutzgebiet.

Aber der Idylle droht Ungemach: Einfamilienhäuser sieht der Regionalplan vor. Beschäftigte aus dem boomenden Düsseldorf wollen ein schickes Haus im Grünen, das hier deutlich günstiger als im benachbarten Meerbusch zu haben ist. Das Bruch gilt auch als möglicher Standort für Windräder. Die Stadt sucht nach Flächen.

Doch der Widerstand formiert sich. Schütt: „Im Südwesten Fischelns haben wir genug Platz für neue Häuser. Und die Windräder baut man besser entlang der A 44.“