Farin Urlaub – der Geschmackspolizist auf Tour

Farin Urlaub – der Geschmackspolizist auf Tour

Krefeld. Farin Urlaub spielt am Donnerstag in Krefeld. Der Sägner der Ärzte tritt diesmal mit dem Racing Team auf.

Herr Urlaub, in einem der Songs auf der aktuellen CD geht es um den Krieg im Alltag. Sind das eigene Erfahrungen und haben sich diese mit der aktuellen Krise verschärft?
Farin Urlaub: Das ist eine Hochrechnung der eigenen Erlebnisse und Gefühle. Man muss doch nur mal auf den Straßen unterwegs sein, um den Krieg zu erleben. In den USA werden Menschen erschossen, weil sie schlecht Auto fahren. Was die Krise betrifft, habe ich den Eindruck, dass diese durch die Medien schlimmer gemacht wird, als sie wirklich ist.

Nehmen wir zum Beispiel mal die Schweinegrippe. Die steht doch bislang in keinen in keinem Verhältnis zu dem, was die Malaria anrichtet. Aber wir leben hier in unserem Wohlstand und in einem gemäßigten Klima, wo man von der eigentlichen Krise, die seit langem in der Welt herrscht, verschont bleibt.

Sie haben das aktuelle Album in die große CD "Büffelherde" und in die kleine CD "Ponyhof" aufgeteilt. Warum?
Urlaub: Durch die Bläser und Sänger, die wir im Racing Team haben, ist die Bandbreite der Songs sehr groß. Es entsteht so eine Mischung, die sich auf einem Album nicht so gut macht. Das verringert für mich den Hörgenuss. Deshalb kamen die Rockstücke auf die große CD und die Offbeat-Songs auf die kleine CD.

Wird es so eine Trennung auch beim Konzert geben?
Urlaub: Live geht es darum, die Menschen zweieinhalb Stunden zu unterhalten, da sind Abwechslungen immer willkommen. Trotzdem wird es auch hier einzelne Blöcke mit entsprechenden Übergängen geben

Sie haben bei der aktuellen CD erstmals im Kollektiv gearbeitet. Wie schwer war das für Sie?
Urlaub: Wir sind durch die Touren zusammengewachsen, da hat sich diese Arbeitsform angeboten. Ich habe trotzdem die Stücke geschrieben, aber jeder in der Band hat sich an den Diskussionen beteiligt. Es muss auch nicht so sein, dass ich auf ewig alles alleine schreibe. Allerdings, die Rolle der Geschmackspolizei am Ende der Produktion lasse ich mir nicht nehmen.

Wie groß ist der Unterschied zu der Arbeit mit den Ärzten?
Urlaub: Da sind wir zu dritt, das macht die Sache einfacher. Bei so einer großen Band wie dem Racing Club muss man ja auch mehr an den Arrangements der Stücke feilen, um alle Bandteile mit einzubauen.

Hat sich ihre Perspektive mit dem Alter geändert?
Urlaub: Es wäre schlimm, wenn das nicht passiert wäre. Es gibt oft Texte, die mir einfallen, die ich aber nicht mehr singen kann, weil meine Unschuld und Naivität im Laufe der Jahre auf der Strecke geblieben sind. Dann gebrauche ich wie in der Literatur die Fiktion oder suche Figuren, die solche Texte singen können. Auch das Mittel der Ironie kann helfen.

Was erwartet die Fans bei der kommenden Tour?
Urlaub: Eine Fußballmannschaft, die auf der Bühne in alle Instrumente reinbläst oder darauf herumschlägt und jede Menge Lärm macht (lacht). Mehr wird noch nicht verraten.

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