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Ein kaputtes Dach kann das Aus einer Pfarre sein

Ein kaputtes Dach kann das Aus einer Pfarre sein

Schon relativ bald müssen Krefelds Katholiken entscheiden, von welchen Kirchen sie sich trennen, sagt der Sprecher des Pastoralrats, Lothar Zimmermann.

Krefeld. Mehr als 40 katholische Kirchen gibt es in Krefeld. Die Frage ist, wie viele es angesichts der Sparmaßnahmen des Bistums in Zukunft sein werden. Denn die Forderung des Bistums Aachen ist klar: Der finanzielle Aufwand für den Erhalt der Kirchen soll reduziert werden. Und das dürfte in Krefeld relativ bald Konsequenzen haben, sagt Lothar Zimmermann, ehrenamtlicher Sprecher des Pastoralrats in der katholischen Region Krefeld und Vorsitzender des Katholikenrats.

Herr Zimmermann, in St. Elisabeth wird geprüft, eine Grabeskirche zu installieren, in St. Franziskus, die Kirche an die russisch-orthodoxe Gemeinde zu verkaufen — wäre das derzeit erst einmal alles?

Zimmermann: Nein, es werden sicherlich noch weitere Kirchen geschlossen werden. Denn das Bistum fordert, die Erhaltungskosten um ein Drittel zu reduzieren. Es ist damit zu rechnen, dass jede Gemeinschaft der Gemeinden sich mindestens von einer Kirche trennen muss.

Von welchem Zeitraum sprechen wir denn da?

Zimmermann: Wir gehen davon aus, dass die Entscheidungen innerhalb der nächsten ein bis zwei Jahre zu fällen sind. Und dabei geht es natürlich nicht nur um die Entscheidung, welche Gebäude wir schließen, sondern vielmehr darum, was wir damit tun können, und vor allem darum, wie diese Umbrüche von den Gemeindemitgliedern mit getragen werden können, denn die Irritationen sind groß. Die Ansage ist: Bei notwendigen Reparaturen gibt das Bistum keine Zuschüsse mehr. Und damit ist klar, ein kaputtes Dach zum Beispiel könnte fast keine Pfarrei allein finanzieren. Wenn man nun sagt, wir nehmen eine Kirche auf die rote Liste, dann ist trotzdem klar, dass mit dem Dach etwas passieren muss.

Welche Kirchen sind denn Risiko-Kandidaten?

Zimmermann: Das kann man so pauschal nicht sagen. Aber auf jeden Fall diejenigen, die groß sind. Im Zusammenhang mit den Sparmaßnahmen des Bistums haben Vertreter der Franziskanerbruderschaft Würzburg alle unsere Kirchen und die anderen pfarreigenen Gebäude untersucht und den Sanierungsbedarf bestimmt. Und der Tenor ist gewissermaßen: Das, was groß ist, ist auch teuer.

Und gibt es Gemeinden, die auf der sicheren Seite sind?

Zimmermann: Das Bistum entscheidet nicht über die Gebäude. Wenn also eine Pfarrei in der Lage ist, ihre Kirche vollkommen selbst zu unterhalten, dann ja. Man muss aber auch berücksichtigen, dass die Pfarreien immer kleiner werden und damit große Kirchen immer seltener gebraucht werden. Außerdem dürfen nicht Gebäude im Vordergrund stehen, sondern die Menschen.

Was sind die Optionen für die möglicherweise betroffenen Gemeinden?

Zimmermann: Das ist ein Riesenthema. Es gibt außer Wohnen und Grabeskirche viele verschieden Beispiele für Neunutzungen: Es gibt Restaurants oder beispielsweise in Mönchengladbach auch eine Kletterkirche. So etwas ist für die Menschen, die mit ihren Kirchen verbunden sind, immer schmerzlich. Das gilt natürlich besonders für die letzte Lösung: den Abriss und Verkauf des Grundstücks. Und die Fusionen der Gemeinden haben doch schon Wunden gerissen.

Vermutlich ist die Umwandlung in eine Grabeskirche noch eine der emotional einfacheren Entscheidungen, oder?

Zimmermann: Ja, vielleicht. Für Krefeld sind zwei bis drei Grabeskirchen denkbar. Aber sie müssen auch beispielsweise zentral liegen, gut mit öffentlichen Verkehrsmitteln erreichbar sein und Parkmöglichkeiten haben. Für die übrigen Kirchen wird die Entscheidung über die Alternativen noch sehr schwierig.