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Sozialarbeiter: Ein Boxtraining der besonderen Sorte

Sozialarbeiter : Ein Boxtraining der besonderen Sorte

Sozialarbeiter Semi Ayadi trainiert junge Menschen und lehrt dabei Sprache und Gemeinschaft.

Krefeld. Es ist kein großer Raum im ersten Stock des Katholischen Forums. Vielleicht 40 Quadratmeter groß. Ein wenig klein für ein Boxstudio. Der Raum wird schnell mit Leben gefüllt, als Semi Ayadi und einer seiner Schützlinge, der 15-jährige Ali, eintreten. Ayadi veranstaltet seit rund zwei Monaten ein Boxtraining für Flüchtlingskinder, Jugendliche mit Migrationshintergrund, aber auch Deutsche, die er aus seinem eigenen Boxkurs kennt. Der Sozialarbeiter sagt: „Wir wollen das Boxen als Brücke benutzen, Flüchtlinge und Deutsche einander näher bringen und integrieren.“

Sozialarbeiter: Ein Boxtraining der besonderen Sorte
Foto: Andreas Bischof

Der 42-Jährige hat tunesische Wurzeln und weiß, wie es sich anfühlt, oftmals außen vor zu sein. Durch seinen Beruf als Sozialarbeiter und Anti-Gewalt-Trainer ist Ayadi täglich mit dem Thema Integration konfrontiert. Die Idee für das Training entstand trotzdem spontan.

Ayadi: „Ich bin an der Josef-Koerver-Halle vorbeigelaufen und habe viele Menschen gesehen, die einfach nur da standen, nichts zu tun hatten. Da kam mir die Idee eines Boxtrainings, um sie auch mal vom Alltag abzulenken.“ Ohne zu zögern sprach Ayadi die Flüchtlinge an, fragte, ob Interesse bestehe. Nach Absprache mit dem Katholischen Forum wurde zusammen ein Raum gesucht und gefunden. Heute, rund zwei Monate später, kommen wöchentlich rund zehn Jugendliche zum Training. Deutsche und Ausländer, Jungen und Mädchen.

Viele Jugendliche gehen nach der Schule direkt zum Training. Kein Wunder also, dass sich der Beginn auch mal ein wenig verzögert. Wenn sich dann aber alle versammelt haben, geht es gleich los. Wie für jeden Boxer steht zunächst Seilspringen auf dem Tagesplan. Doch auch wenn die Übungen nicht neu sind, ist es doch ein etwas anderes Aufwärmen.

Immer abwechselnd zählen die Jugendliche bis zehn und sprechen Ayadi nach. Der 42-Jährige sieht sich nicht nur als Boxtrainer, sondern vor allem auch als Lehrer: „Es geht nicht immer nur ums Boxen. Wir lachen viel, haben immer Spaß und wollen auch den sozialen und kulturellen Aspekt fördern.“

Spaß haben die Jugendlichen besonders, als es endlich an die Boxhandschuhe geht. Zwei Boxsäcke und ein Boxdummy stehen im Raum. Aufwärtshaken, Jab, Links-Rechts-Kombination.

Die Fäuste fliegen, aber stets fair, denn das ist auch etwas, was Ayadi lehren möchte: „Wir kämpfen immer fair. Boxen ist dazu da, um seine Aggressionen abzubauen, nicht um sie an anderen auszulassen.“ Alle schätzen einander, unabhängig von Herkunft und Kultur

Wie es weitergehen soll, ist noch unklar. Der Spaß ist den Jugendlichen anzusehen, doch auch der ohnehin schon kleine Raum wird irgendwann zu klein. Alternativ soll vielleicht eine zweite Stunde pro Woche eingerichtet werden, denn Ayadi möchte individuell auf jeden seiner Schützlinge eingehen.

Im vertrauten Kreis befinden sich die Jugendlichen ohnehin schon. Jeder kennt und schätzt den anderen, unabhängig von Sprache, Herkunft oder Kultur.