Krefeld: Diese beiden kann nichts trennen

Krefeld: Diese beiden kann nichts trennen

Die Flucht aus der DDR schweißte Dora und Günter Peschel nur noch fester zusammen. Jetzt feiern sie 65-Jähriges.

Krefeld. An das erste Mal, als Dora Peschel ihren Günter gesehen hat, erinnert sich die 82-Jährige noch ganz genau: „Ich bin mit dem Bus gefahren und dann hat der noch mal angehalten, und ein junger Mann ist eingestiegen. Ich weiß gar nicht mehr warum, aber ich habe direkt meine Freundinnen gefragt, wer das ist“, erinnert sich die Krefelderin und schaut ihren Günter lächelnd an. Richtig kennengelernt haben sich die beiden aber erst etwas später, im März 1951, bei einer Tanzveranstaltung, wie Dora Peschel erzählt: „Da hat er mich zum Tanzen aufgefordert.“

1951 lebten beide noch mit ihren Familien in Bernstadt in Sachsen. Dort heirateten sie bereits im Oktober des gleichen Jahres: „Es war direkt klar für mich: Der ist es“, gesteht Dora Peschel.

Das ist in all den Jahren so geblieben, denn, wie Günter Peschel anmerkt: „Sonst wären wir ja nicht so lange verheiratet.“ Ein halbes Jahr nach der Hochzeit kam bereits der erste Sohn, Detlev, zur Welt.

Das Glück hätte perfekt sein können, aber die Familie hatte unter dem DDR-Regime zu kämpfen, wie der 89-jährige Günter Peschel berichtet: „Ich hatte ein Fuhrgeschäft und habe dafür Pferde gekauft und diese in bar bezahlt. Da gab’s dann Ärger mit der Genossenschaft.“

Der Ärger war so groß, dass Günter Peschel aus Sachsen fliehen musste und über Berlin nach Duisburg-Rheinhausen kam: „Drüben war es einfach furchtbar, da hatten wir keine Wahl.“ Ehefrau Dora und Sohn Detlev konnten erst später nachkommen: „Diese Jahre waren die Schlimmsten“, gesteht Dora Peschel. „Ich hatte nur meinen Kinderwagen dabei, sonst wäre es ja aufgefallen. Wir mussten alles neu anschaffen und ganz von vorne anfangen.“

In Rheinhausen begann für die Peschels eine bessere Zeit. Im Oktober 1955 wurde Tochter Angelika geboren, zwei Jahre später zog die Familie nach Krefeld: „Seit 59 Jahren wohnen wir jetzt schon in diesem Haus in Uerdingen“, sagt Dora Peschel voller Stolz.

Große Reisen haben die Peschels nicht viele gemacht: „Wir waren immer gerne im Garten. Mein Mann hat hier um die Ecke einen Garten mit Kaninchen und ich habe hinter dem Haus einen Blumengarten, in dem ich gerne bin.“ 1969 bekamen die beiden noch mal einen Nachzügler, Reiner: „Der hat uns beide fit gehalten“, erzählt Günter Peschel.

Mit ihren Kindern, acht Enkeln und drei Urenkeln wird am Donnerstag auf das Jubelpaar angestoßen und gefeiert, wie die beide berichten: „Familie ist für uns das Wichtigste und bedeutet uns sehr viel.“

Rückblickend war für die beiden der Neubeginn im Westen die schwierigste Zeit in ihrem Leben: „Günter hatte zwei Jobs, weil wir alles neu anschaffen mussten“, erzählt Dora Peschel. Einfach sei das damals nicht gewesen, vor allem, weil die Eltern weiterhin im Osten wohnten und der jungen Familie nicht zur Seite stehen konnten. Dora Peschel seufzt tief und gesteht: „Das war schon schwierig.“

Ihr Mann Günter schaut sie währenddessen liebevoll an und sagt anschließend: „Aber wir haben es zusammen geschafft.“