Die Welt mit Kinderaugen sehen

Der Bachmann-Preisträger Georg Klein liest aus „Roman unserer Kindheit“.

Krefeld. Merkwürdig wenige Zuhörer finden sich ein, gerade eben über 20. Dabei ist mit Georg Klein (Jahrgang 1953) der Preisträger der Leipziger Buchmesse in der VHS zu Gast. Bei Kleins ersten Lesungen aus "Roman unserer Kindheit" kamen Hunderte. "Das wird immer weniger", sagt der Autor. Und gibt zu: "Wenn es wenige Zuhörer sind, übertreibe ich manchmal beim Lesen."

Klein hat ein Kapitel aus der Mitte des Romans ausgewählt, in der die Personen schon eingeführt sind. Mal ironisch, mal scharf liest er vor und schaut aufmerksam auf die Reaktionen des Publikums. Im Roman sind Sommerferien. Ein Junge hat einen Gipsfuß, die anderen schieben ihn im alten Kinderwagen seiner Brüder durch ihre Welt, in der Nachkriegszeit in Augsburg.

Aber es geht in diesem Roman nicht darum, die Zeit genau festzulegen. Kleins Erinnern lebt von Sinneseindrücken, von der Welterfahrung der Kinder. Sie entdecken ihre Umgebung und schauen auf die Welt der Erwachsenen, "über die sie viel mehr wissen, als die Erwachsenen ahnen."

Für seinen Roman musste Georg Klein nichts recherchieren: "Ich musste aus der Fülle auswählen". Sein Ich-Erzähler, von dem man ahnen kann, wer er ist, der sich aber erst am Ende enthüllt, ist allwissend. Er kennt die Regungen der Protagonisten.

Klein schreibt im Präsens und wählt eine eindringliche Sprache. "Ich wollte keinen kindlichen Ton." Spannend, geheimnisvoll schildert er das Sommerleben der Kinder. Und vor dem Schluss muss niemand Angst haben: "Ich schreibe grundsätzlich nur Texte mit einem Happy End."

Georg Klein, Roman unserer Kindheit. Rowohlt, März 2010. 22,95 Euro.

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