Diakonin Hilde Freihoff: Weiblich, christlich, einzigartig

Diakonin Hilde Freihoff: Weiblich, christlich, einzigartig

Die 60-jährige Hilde Freihoff ist Deutschlands einzige katholisch geweihte Diakonin.

Krefeld. Der Klang ist eindrucksvoll und hallt lange nach. Hilde Freihoff betätigt die beiden Windgongs im gemeinsamen Garten des evangelischen Altenheims im Dreikönigenhaus und der altkatholischen Gemeinde Krefeld, Erscheinung Christi.

Wie die lauschige Grünanlage verkörpert auch Freihoff die Ökumene. Sie ist die einzige Frau in Deutschland, die aktive katholisch geweihte Diakonin ist. Gleichzeitig arbeitet sie im Altenheim als Seelsorgerin und im sozialen Dienst.

„Ursprünglich war ich römisch-katholisch. Dann konnte ich einige Dinge nicht mehr mittragen, wie das Zölibat. Meiner Meinung nach ist er eine unnatürliche Lebensform, die die Bibel nicht überliefert. In der Heiligen Schrift ist beispielsweise von der Schwiegermutter von Petrus die Rede.“ Ihrem Verständnis nach ist das Zölibat nicht gottgewollt.

Auch die Rolle der Frau in der Kirche hinterfragte sie. Und Cornelius Schmidt, Priester der Gemeinde, fügt hinzu: „Der Papst betont immer wieder, dass Frauen kein geistliches Amt bekleiden dürfen“. Dabei seien Frauen im Kirchenamt biblisch. Die beiden zeigen den Römerbrief in der Bibel, in dem Frauen eine Rolle spielen.

„Für mich sind christliche Kirchen Häfen, in die man einsegeln kann. Wir haben schließlich in der altkatholischen Kirchengemeinde unseren Heimathafen gefunden“, sagt Freihoff. Seit 1992 ist sie Mitglied der Gemeinde Erscheinung Christi. Zuvor hatte die examinierte Krankenschwester eine evangelische Diakonenausbildung und einen theologischen Fernkurs in der altkatholischen Kirche absolviert.

Die doppelte Ausbildung war eine harte Zeit — doch es hat sich gelohnt. Im Jahr 2001 wurde sie vom damaligen altkatholischen Bischof Joachim Vobbe geweiht. Wichtig für Freihoff sei es, dass sie immer von ihrer Familie — dem Mann, den drei erwachsenen Kindern und den drei Enkeln — unterstützt werde. „Mein Mann meckert nie, wenn ich viel unterwegs bin“, sagt sie. In diesem Jahr feiern die beiden ihre Rubinhochzeit.

Ein Jahr nach dem Eintritt in die Gemeinde begann sie ihre Tätigkeit im Dreikönigenhaus. Die Zusammenarbeit der beiden Konfessionen findet sie positiv. „Wir zeigen hier im Zentrum gegenseitige Wertschätzung“, sagt sie. „Die Menschen, die zu uns kommen, sind alt, da tritt die Konfession zurück — alle wissen, dass das Leben endlich ist, und da ist es wichtig, dass die Menschen begleitet werden.“

Doch nicht jeder Katholik akzeptiert ihre Rolle. „Ablehnung begegnet mir häufig. Das sind dann die sehr konservativen Menschen. Der überwiegende Teil ist aber der Meinung, dass eine Frau im kirchlichen Amt richtig ist.“ Viele fänden, dass Frauen im Amt in einer Gemeinde viel bewegen — beispielsweise in der Seelsorge, bei Trauerfeiern oder beim Gottesdienst.

Die Tätigkeiten der 60-Jährigen ergänzen sich. „Bei meiner Arbeit im Seniorenheim begleite ich Bewohner und bestatte sie am Ende auch. Eine Dame habe ich beispielsweise 18 Jahre bis zu ihrem Tod begleitet.“

Ihr Zivilberuf prägt ihre geistliche Tätigkeit — und andersherum. „Das äußert sich zum Beispiel im Umgang mit Tod und Trauer.“ Für jeden, der verstirbt, wird eine Abschiedsandacht gefeiert. Das sei sehr positiv für alle, meint Freihoff: „Ich weiß, ich bin nicht einfach weg in einer Kiste, sondern es sind alle noch mal da für mich und denken an mich.“

In der Gemeinde hält sie Wortgottesdienste, tauft oder salbt Kranke — lediglich dem Abendmahl darf sie nicht vorstehen. „Wir hatten auch Diakoninnen, die jetzt Priester sind. Frau Freihoff gehörte zu den ersten Diakoninnen in Deutschland — jetzt ist sie die einzige aktive“, sagt Priester Schmidt.

Dass es nach wie vor so wenig Frauen im geistlichen Amt der altkatholischen Kirche gibt, bedauert die Diakonin. „Ich würde so gerne Vorbild sein und bin sehr traurig, dass nicht mehr Frauen diesen Weg gehen“, sagt Freihoff. „Sie wissen gar nicht, wie erfüllend es ist, geweiht zu sein.“

Und auch der Kirche würden mehr Frauen guttun, meint Schmidt: „Das hat man an der evangelischen Kirche gesehen: Sie ist von einer männlichen zu einer menschlichen Kirche geworden.“

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