Der Weg des Krefelder Bluts

Der Weg des Krefelder Bluts

Durchschnittlich spenden spenden 2100 Krefelder pro Jahr den Lebenssaft. Wir zeigen, was damit passiert.

Krefeld. „Oh, ich hasse Spritzen!“ — Chris Janßen sitzt im Blutspendemobil vor dem Bildungszentrum des Baugewerbes in Krefeld Oppum und hält einer Mitarbeiterin des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) seinen Arm hin. Beim Einstich schaut er weg, doch sobald das Blut in den Schlauch zu fließen beginnt, entspannt er sich. „War ja eigentlich auch nur ein Pieks“, sagt der 18-Jährige und grinst.

500 Milliliter werden in den nächsten fünf bis zehn Minuten aus seinem Arm in einen Beutel fließen und dann im Spendemobil gekühlt, denn es stehen ja noch andere Blutentnahmen an — zum Beispiel die von Erstspender Florian Glaudo. Der 19-Jährige hat sich zur Blutspende entschieden, „weil es einem selbst nicht schadet und man damit jemand anderem hilft“.

Er sehe das als ein Geben und Nehmen, sagt der junge Mann. „Schließlich kann es ja sein, dass man’s irgendwann mal selber braucht“, erklärt er. Wohin sein Blut geht, ist ihm egal. „Hauptsache man rettet ein Leben, da ist es doch unwichtig, ob das in Hamburg oder München passiert.“

Solch weite Wege legt das Krefelder Spenderblut im Normalfall aber nicht zurück. „Die Konserven aus Krefeld kommen genauso wie alle anderen Spenden aus den Regierungsbezirken Köln und Düsseldorf abends ins Zentrum für Transfusionsmedizin in Breitscheid“, erklärt Heinz Kapschak, Pressesprecher des DRK-Blutspendedienstes West. „Hier werden sie weiterverarbeitet, bevor sie dann später an die Krankenhäuser in eben diesen Bezirken gehen.“ Nur wenn es woanders einen Notstand gebe, lande das Krefelder Blut auch mal im Münsterland oder anderen Teilen von Nordrhein-Westfalen.

Vorher passiert mit dem Blut aber noch einiges: „Nachts um halb drei fängt die Arbeit hier an“, erzählt Kapschak. „Zwischen der Abnahme und der Verarbeitung darf das Blut nämlich nicht zu lange liegen.“ Deshalb beginnen die Mitarbeiter noch in der Nacht, das Blut in seine verschiedenen Bestandteile zu zerlegen. „Was wir den Menschen abnehmen, ist Vollblut.

Das gibt man den Empfängern aber schon seit 20 Jahren nicht mehr“, erläutert Kapschak. Früher sei es üblich gewesen, „einfach alles in den Empfänger-Körper zu kippen“. „Jetzt bekommt der Patient nur noch die Bestandteile, die er wirklich braucht“, betont Kapschak.

Dafür müssen unter anderem die roten Blutkörperchen, das Plasma und der so genannte Buffycoat — ein Gemisch aus allen möglichen Blutbestandteilen — voneinander getrennt und in verschiedene Beutel gepresst werden. „Natürlich wird das Blut noch auf Krankheiten wie zum Beispiel HIV oder Hepatitis kontrolliert“, betont Kapschak.

Dann werden die Bestandteile gelagert. Das Plasma bleibt bis zu vier Monate in Breitscheid, es wird bei minus 42 Grad tiefgefroren gelagert. Die roten Blutkörperchen sind laut Kapschak 42 Tage haltbar, die Blutplättchen dagegen nur fünf. „Die Blutbestandteile gehen also unterschiedlich schnell an die Empfänger raus. Das geht dann zu wie beim Pizzaservice“, sagt er schmunzelnd und zieht in der Verteilungszentrale eine volle Schublade mit der Blutgruppe A hervor. „Da ruft dann Krankenhaus XY an und bestellt x Mal diese und jene Blutgruppe — und dann bekommt es das von uns geliefert.“

Wohin genau die Konserve eines einzelnen Krefelders geht, ist also nicht vorhersehbar — aber vielleicht rettet er ja mit seinen verschiedenen Blutbestandteilen mehr als einem Menschen das Leben.

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