Comedy im KöPa: Je derber, desto lieber — Atze Schröder zeigt sich in Bestform

Der Essener präsentiert im ausverkauften König-Palast sein Programm „Schmerzfrei“. Und er gibt den Leuten, was sie erwarten.

Krefeld. Der mit 6500 Besuchern ausverkaufte König-Palast bebt, als Comedien Atze Schröder die Bühne betritt. Sein neues Programm heißt „Schmerzfrei“ — und das ist es auch.

Der Gewinner des Comedy-Preises 2011 greift viele Klischees auf, die er in flotte Sprüche verpackt und damit den zweistündigen Abend füllt. Mit seinem achten Liveprogramm will es Atze Schröder, der wie üblich mit Locken-Perücke, eng sitzender Jeans, spitzen Lederstiefeln und blauer Pilotenbrille auf der Bühne steht, den Zuschauern „so richtig besorgen“.

Schmerzfreie Geschichten erzählt der Essener auf seine ganz eigene, sehr derbe Art. Vor allem ältere Prominente und altgediente Fußballstars kommen dabei schlecht weg. Geschont werden dabei weder Altbundeskanzler Helmut Schmidt noch Amy Winehouse oder die Riege der Hausfrauen, die ihren Höhepunkt des Tages laut Schröder „mit dem Paketempfang eines großen Online-Schuhladens haben“.

Die Gags sind selten originell oder innovativ. Aber das Unterhaltungsmedium Atze erntet von den Anwesenden auch nach platten Sprüchen viel Beifall. Originalton Schröder: „Zu einem Männerabend gehören Kumpels, Bier, ein Grill und Toleranz — Niveau und Tiefgang haben dort nichts verloren.“ Oder: „Ursula von der Leyen ist so fruchtbar, dass sie schon in Panda-Gehegen eingesetzt wird.“ Irgendwo zwischen FSK 18 und 31 ist das Bühnenprogramm des Porschefahrers aus Essen-Kray laut eigener Aussage anzusiedeln. Und immer wieder kommt er auf das Thema Potenz zu sprechen, die bei ihm in mehr als ausreichender Form vorhanden zu sein scheint.

Wer seine Zweitbrille bei „Muhamed Al Gaffi“ vermutet und Berlusconi als „abschwillenden Präsidenten“ bezeichnet, der macht auch nicht vor dem „Butzekatze-Lied“ aus Ghana halt, das zum Running-Gag des Abends wird und den Comedy-Star in der Hocke auf der Bühne von links nach rechts rumspringen lässt.

„Hier in Krefeld habe ich ja ein Heimspiel“, sagt der Essener zu Beginn und behält damit natürlich recht. Das Publikum mag Schröders direkte und nie diskrete Art. Zum Schluss gibt’s zwei Zugaben, in denen er als Gast einer Ü30-Party sich selber und die anderen Partybesucher aufs Korn nimmt und altgediente Weisheiten von Toilettengängen und gemeinsamen Thekengesprächen männlicher und weiblicher Partygäste lauthals kundtut.

Die Zuschauer fühlen sich bestens unterhalten von dem Mann, der seinen wahren Namen unter keinen Umständen bekannt geben will. Sie verabschieden ihn, der im König-Palast längst Stammgast ist, mit stehenden Ovationen.

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