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Radomski ist drin — die Nachricht kam per SMS

Radomski ist drin — die Nachricht kam per SMS

Die CDU-Kandidatin zieht überraschend per Landesliste in den Bundestag ein — wie Ulle Schauws (Grüne).

Krefeld. Es war 6 Uhr am Montag früh, als Kerstin Radomski eine SMS erhielt. Ein Parteifreund hatte ihr eine Gratulation geschickt mit den Worten: „Landesliste, Landesliste, hey, hey, hey.“ Die 38-jährige CDU-Bundestagskandidatin, die Siegmund Ehrmann (SPD) mit 1743 Stimmen nur knapp unterlegen war, informierte sich sofort per Internet. Ergebnis: Mit ihrem Landeslisten-Platz 40 hat sie es in den Bundestag geschafft. Das dürfte gegen 3 Uhr in der Nacht klar gewesen sein.

Gestern hatte Kerstin Radomski, die nach anderen Stationen seit drei Wochen Lehrerin am MSM-Gymnasium ist, mehr als alle Hände voll zu tun. Im Unterricht um 8 Uhr teilte sie der Klasse 9e, in der sie Klassenlehrerin ist, die Neuerung mit. Der Schulleiter, der seine Lehrerin verlieren wird, war da schon informiert.

Ebenfalls noch gestern buchte sie den Flug nach Berlin — als Rückflug. „In dieser Woche brauche ich nur am Dienstag bei der Fraktionssitzung da zu sein.“ Bis sie ein Büro in Berlin hat, werden bis zu sechs Wochen vergehen. „Ich kümmere mich sofort um eine kleine Wohnung.“

Die zweifache Mutter (die Kinder werden drei und sechs Jahre) weiß, dass es für alle eine große Umstellung wird. „Aber ich bin nicht die ganze Zeit weg. Rechnet man die Sommerferien ab, sind es 26 Sitzungswochen. Rein rechnerisch bin ich in der einen Woche fünf Tage in Berlin, in der zweiten dafür zu Hause. Die Kinder werden in meiner Abwesenheit bei meinen Eltern sein.“

Unerwartet turbulent verlief der Wahlabend für Ulle Schauws von den Grünen. Am Ende reichte der Listenplatz 13 ganz knapp für den Einzug ins Parlament.

Selbstkritisch spricht sie von „strategischen Fehlern.“ Es sei zu viel über höhere Steuern und zu wenig über die Folgen der Massentierhaltung gesprochen worden, sagt die 46-Jährige.

Was bei der Energiewende falsch laufe, hätten die Grünen offenbar nicht richtig vermitteln können. Am Ende standen für die Partei nur 8,4 Prozent der Zweitstimmen zu Buche — laut Schauws ein „ernüchterndes Ergebnis“.

Da Angela Merkel zum Regieren einen Partner braucht, könnte es bei der Regierungsbildung dennoch auf die Grünen ankommen. „Wir sind zu Gesprächen bereit“, sagt die Krefelderin. Schwarz-Grün sei sicher eine Option. „Die Möglichkeit einer rot-rot-grünen Zusammenarbeit sollte aber auch ernsthaft geprüft werden“, sagt Schauws.