Bundestagswahl: Das zweite Nord-Duell

Die Kontrahenten im nördlichen Wahlkreis treten bereits zum zweiten Mal gegeneinander an.

Krefeld. Die CDU-Kandidatin kommt ganz in Rot, ihr Konkurrent von der SPD trägt ein Hemd, das sie im Rahmen einer Wahlkampfaktion gebügelt hat: Kerstin Radomski und Siegmund Ehrmann, die beiden Kontrahenten um das Direktmandat im nördlichen Wahlkreis (Krefeld/Kreis Wesel) gehen pfleglich miteinander um. Dennoch wird es im WZ-Gespräch bei unterschiedlichen Positionen auch schon mal ein wenig lauter.

Die CDU-Frau aus Hüls tritt zum zweiten Mal gegen den SPD-Mann aus Moers an. Sie wirkt ein wenig angespannt, ist aber durchaus souverän. Die Studienrätin und Mutter von zwei Kindern betont ihre enge Bindung an die Familie und zieht auch ihr Beispiele aus dem persönlichen und beruflichen Umfeld.

Der SPD-Bundestagsabgeordnete aus Moers hingegen präsentiert sich betont lässig, redet im Kontrast zur Körpersprache aber sehr schnell. Ehrmann zieht historische Parallelen — wenn es zum Beispiel um Hilfen für Europa geht.

Dass seine Konkurrentin ihm vor vier Jahren relativ nah auf den Pelz rückte, begründet er mit dem generell schlechten Abschneiden der SPD. Das sieht Radomski anders und bezeichnet den Wahlkreis als „Wechselwahlkreis“, den sie entsprechend direkt zu holen gedenkt.

Auch inhaltlich gibt es im Gespräch einige Unterschiede. Besonders bei den Themen Kinderbetreuung und Kommunalfinanzen werden diese deutlich. Während Radomski fordert, dass die Menschen selber über ihre Lebensentwürfe entscheiden und damit auch darüber, ob sie ihre Kinder selbst erziehen wollen oder nicht, schimpft Ehrmann über das Betreuungsgeld. Viele Eltern seien mit der Erziehungsarbeit überfordert, deshalb müsse man Angebote vermitteln — auch solche die über die U-3-Betreuung hinausgehen.

Beim Thema Kommunalfinanzen wird Ehrmann sauer: „Die Regierung verweigert die Antwort.“ Die CDU habe dazu beigetragen, dass die Kommission zum Thema eingeschlafen sei. Radomski weist die Vorwürfe zurück, erinnert an die Übernahme der Kosten zur Grundsicherung durch den Bund. Das sei zu wenig, findet Ehrmann.

Einig sind sich die beiden, dass man den Banken in Europa helfen muss, weil sonst auch noch der Geschäftsbereich ins Wanken geraten würde. Dazu gehört aber für Radomski eine stärkere Kontrolle und ein Schuldenabbau — egal ob in Deutschland oder in Griechenland.

Für Ehrmann hingegen ist Schuldenabbau der falsche Weg. Man müsse für Staaten wie Griechenland oder Spanien vielmehr ein Investitionsprogramm auflegen — ähnlich dem Marshallplan für Deutschland nach dem Krieg, damit die Staaten wieder Luft zum Atmen bekommen und ihre Probleme wie die Jugendarbeitslosigkeit in den Griff bekommen.

Einig sind sich beide dann wieder in den Verkehrsfragen: Die Region lebt von den guten Verbindungen, aber die Anwohner müssen vor zu großen Belastungen geschützt werden.